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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Dezember 2014

Liebe Gemeinde,

das mit dem Warten ist so eine Sache. Neulich fiel mein Blick auf eine Plakat-wand. „Blöd, wer jetzt noch wartet“ schreien mir große, grellbunte Buch-staben entgegen. In der schnelllebigen Konsumgesellschaft bedeutet Warten Frust. Gleich zuschlagen und kaufen heißt die Devise. Wir wollen alles – und am besten sofort! Aber auf keinen Fall warten. Die Adventszeit ist eigentlich eine Wartezeit – warten auf die An-kunft Jesu Christi. Allerdings wird noch nicht mal ihr Beginn abgewartet. Schon im September sind die Läden voll mit Nikoläusen und Dominostei-nen. Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, mal wirklich zu warten. Meine Aufmerksamkeit auf das Ziel zu richten und mir dafür Zeit zu nehmen.

Im adventlichen Warten liegt ein Ersehnen. Wenn wir „des Herrn harren“, dann haben wir etwas zu erwarten. Das ist gerichtetes, ausgerichtetes Leben: ganz im Hier und Jetzt – und doch auf die Zukunft hin. Mit der Geschichte von der „Linsertorte“ möchte ich Sie auf das Erwarten des Weihnachtsfestes einstimmen:

Als Kind dachte ich, die Linzer Torte heißt so, weil man immer wieder in die Kuchendose linst, um festzustellen, ob sie schon mürbe geworden ist. Die Torte gab es bei uns traditionell als Nachtisch beim Weihnachtsessen. Und so wurde das wochenlange, sehnsüchtige Warten auch immer ein Warten auf Weih-nachten. Mit dem Backen der Torte beginnt heute noch für mich der Advent. Ein halbes Pfund Mehl, ein halbes Päckchen Backpulver und ein Vier-telpfund gemahlene Haselnüsse kommen in die Schüssel und werden gut gemischt. Ein halbes Päckchen Butter habe ich schon vorher aus dem Kühl-schrank geholt, schön weich ist sie jetzt. Mit dem Esslöffel zähle ich ab: acht Esslöffel Zucker, ein Esslöffel Zimt, ein halber Esslöffel Kakao, ein Esslöffel Öl und zwei Esslöffel Kirschwasser. Dazu noch ein Ei und eine halbe Mes-serspitze Nelken, alles ab in die Schüssel. Mit den Händen knete ich einen festen, duftenden Teig, der eine Stunde ruhen muss. Nun rolle ich zwei Drittel des Teiges aus und lege den Boden von Mamas alter Springform damit aus. Aus einem Teil des letzten Drittels forme ich den Rand und drücke ihn gut fest. Nun kommt das Beste: Mit einer Ausstechform mache ich aus dem Rest so viele Teigsterne wie möglich, das durfte ich schon als kleines Kind. Jetzt noch den Boden mit Pflaumen-mus bestreichen, die Sterne darauf auslegen, mit einer Mischung aus Eigelb und Sahne bestreichen und ab in den Ofen damit. Bei 200 Grad muss die Torte nun eine knappe Stunde backen. Wenn sie ausgekühlt ist, kommt sie in eine Blechdose und kann bis zu vier Wochen an einem kühlen Ort lagern. Mit ihrem Duft von Zimt und Zwetschgen hole ich mir Anfang Dezember die Vorfreude aufs Fest in die Küche. Und linse genauso sehnsüchtig wie damals in die Kuchendose, bis endlich Weihnachten ist.

Misha Leuschen

Eine gesegnete Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest wünscht

Ihre Stefanie Amberger