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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Oktober / November 2019

Mein Deutscher Reisepass, ein Stück Papier eröffnet mir unglaubliche Möglichkeiten. Das habe ich im Urlaub dieses Jahr wieder erfahren dürfen: Ich kann hinreisen, fast überall, wohin ich will. Wenn mir im Ausland etwas passiert, setzt sich das Auswärtige Amt dafür ein, dass mir geholfen wird. Zur Not werde ich aus Kriegsgebieten ausgeflogen, wenn mein Leben bedroht ist, nur weil meine Eltern Deutsche sind und ich deswegen dieses Stück Papier habe. Wenn ich hier in Not gerate, meine Arbeit verliere, krank werde oder wohnungslos werde gibt es ein soziales Netz, das mich auffängt. Ich bin unendlich dankbar dafür, denn es garantiert mir und allen meinen Mitbürgern, dass ich auf der Sonnenseite des Lebens stehe. Mir geht es unglaublich gut im Vergleich zu vielen Millionen Menschen auf dieser Welt, der Mehrheit.

Wir sonnen uns an den warmen Stränden Griechenlands und genießen die Gastfreundschaft und Erholung. Im gleichen Meer, ein paar Kilometer weiter kämpfen die Menschen ums Überleben. Ich habe selber erlebt, wie vor vier Jahren die Flüchtlinge auf Samos mit ihren kleinen Schlauchbooten und Schwimmwesten gestrandet sind. Dieser Gegensatz hat mich sehr beschäftigt, bis heute. In zweieinhalb Stunden bin ich mit dem Flugzeug wieder zu Hause, weil ich ein besonderes Papier habe, das mir alle Türen öffnet. Und die anderen, die keinen deutschen Pass haben?

Es gibt keine schnellen und einfachen Lösungen für die Probleme von Flucht und Migration. Es wird eher schwieriger, je weiter sich die Schere von Arm und Reich öffnet, wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil sich die Wüste ausbreiten und ihre Lebensgrundlage und Zukunft vernichtet wird. Uns wird immer mehr bewusst, dass wir alle in einem Boot sitzen. Wenn die Regenwälder in Brasilien brennen, dann wirkt sich das auf das globale Klima aus. Beim Tauchen in Kreta habe ich hochgiftige Rotfeuerfische gesehen, die es vor drei Jahren im Mittelmeer noch nicht gab, die sich inzwischen sehr wohlfühlen und rasant ausbreiten. Wir stehen global vor großen Veränderungen und Problemen. Auch als Christen sind wir auf der Suche nach Wegen, mit denen alle Menschen auf dieser Welt die Möglichkeit haben zu überleben.

Dabei haben wir eine klare Botschaft: Vor Gott hat dieses Papier, dieser Reisepass keine besondere Bedeutung. Gott kennt uns, wir sind seine Kinder.

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Jesaja 43, 1)

Wir brauchen keine Zugangsberechtigung zu unserem Vater. Das ist die gute Nachricht, die wir allen Menschen verkünden sollen. Das bedeutet aber auch, dass wir für unsere Geschwister mit verantwortlich sind, dass wir uns Gedanken machen müssen, wie wir dafür sorgen können, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, in Würde zu überleben wie wir. Wir sind alle Kinder Gottes.

Es grüßt Sie Ihr
Johannes Häselbarth