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KV-Wahl 2018

KVWahl2018

"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Juni/Juli 2015

Liebe Gemeinde,

am Montag um 9.45 Uhr habe ich in der Grundschule Fischbach in der 2. Klasse Religionsunterricht. Es dauert eine Weile, bis die Kinder nach der Pause ihren Platz gefunden, noch mal vom Pausebrot gebissen, getrunken und ihre Sachen für den Unterricht bereit gelegt haben. Dann beginnen wir mit einer kleinen Morgenandacht. Dazu gehört Singen, Beten und - ganz wichtig -  auch eine Kerze. Ein Schüler führt ganz ordentlich Buch, wer schon angezündet hat, damit es nicht jedes Mal Streit gibt, wer das machen darf. Es wird still und die Kerze wird angezündet. Und dann sagen wir gemeinsam:

„Wir zünden die Kerze an und denken daran, dass Jesus Christus sagt:

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Immer mehr Kinder können diese Worte aus dem Johannesevangelium schon mitsprechen. Nach dem Singen und Beten wird dann die Kerze wieder ausgeblasen. Es ist nur eine kurze Zeit, in der sie brennt. Aber diese Minuten unterscheiden sich vom Schulalltag. Wir lernen nicht, arbeiten nicht, was ja zum Religionsunterricht auch dazu gehört, sondern besinnen uns auf Gott, darauf, dass der auch in unser Leben Licht bringt.

Am Mittwoch um 17.45 Uhr ist der Konfirmandenunterricht fast zu Ende: Nach 75 Minuten Unterricht setzen wir uns noch im Kreis zusammen und in der Mitte steht eine brennende Kerze. Auch hier sprechen wir die Worte aus dem Johannesevangelium, singen, beten und gehen dann mit dem Segen Gottes auseinander. Das sind noch einmal sehr dichte Augenblicke. Inhaltlich geht es oft um dasselbe wie im Unterricht vorher, aber doch ist es anders, es ist eine andächtige Stimmung. Wir besinnen uns auf Gott, der für uns da ist und Licht dahin bringt, wo es in unserem Leben dunkel ist. Und da gibt es auch im Leben von Konfirmanden manches Dunkle, manches, was sie belastet. Genauso wie im Leben von Zweit- klässern. Die Kerze lässt uns auf Christus schauen, der Licht in die Dunkelheit bringt.

Gott ist natürlich auch ohne diese Kerze im Religions- und Konfirmandenunterricht für uns da und bringt Licht. Singen und beten können wir auch ohne die Kerze. Gott braucht die Kerze nicht, aber wir, weil wir durch das Licht der Kerze einige Momente ganz be-wusst aus dem Alltag herausgenommen werden und inne halten können.

Licht ist ein ganz wichtiges Symbol in unserem Glauben. Das erleben wir sehr stark bei den großen Festen im Kirchen-jahr. An Weihnachten zünden wir besonders viele Kerzen an. Sie erinnern uns, dass Gott in Jesus in die Finsternis dieser Welt gekommen ist, um uns Licht, Wärme und Orientierung zu bringen. Dann an Ostern lassen uns die große Osterkerze und die vielen kleinen Osterkerzen am Friedhof daran denken, dass Jesus über das Dunkel des Todes gesiegt hat. Er lebt und wir leben mit ihm jetzt hier auf Erden und auch dann, wenn unsere Zeit hier auf Erden abgelaufen ist.

Gott schenkt uns nicht nur Licht, er ist selber Licht. Seine Herrlichkeit ist un-trennbar mit dem Glanz des Lichtes verbunden. Kerzen erinnern uns an seine Gegenwart. Darum gehören auch zu jedem Gottesdienst brennende Kerzen. Gott braucht diese Kerzen nicht. Er ist gegenwärtig, auch wenn sie nicht brennen, aber wir brauchen sie, um uns auf ihn zu besinnen.

In unserer Kirche wird ein Kerzen-ständer aufgestellt (Näheres dazu im nächsten Artikel), an dem Sie eine Kerze für sich oder für einen anderen Men-schen anzünden können, sei es, dass Sie traurig, voller Sorge und Angst oder fröhlich, voller Freude und Dankbarkeit sind. Mit dem Anzünden der Kerze können Sie das, was Sie bedrückt, und das, was Sie froh macht, vor Gott bringen. Die brennende Kerze kann Sie erinnern: Er ist dein Licht, Seele vergiss es ja nicht (aus dem Lied „Lobe den Herrn“).

Wir freuen uns, wenn Sie regen Gebrauch von unserem Kerzenständer machen würden.

Ihre Pfarrerin Andrea Möller