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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten September/Oktober 2015

Liebe Gemeinde,

vermutlich waren die meisten von Ihnen auf der Fischbacher Kirchweih. Sicherlich sind Sie an der Losbude unseres Kindergartens vorbei gekommen und haben dort vielleicht das eine oder andere Los gezogen und sich über manchen Gewinn gefreut. Ich bin gern in der Losbude und verkaufe Lose, denn dort hat man einen guten Überblick über das Geschehen und kann so manches Gespräch mit Fischbachern, mit ehemaligen Fischbachern, mit früheren und zukünftigen Konfirmanden führen. Etliche schöne Erlebnisse bleiben in Erinnerung.

Immer wieder kommt es vor, dass jemand unbedingt einen bestimmten Preis haben möchte und er setzt alles dran, um diesen Preis zu bekommen. Das heißt also, er kauft Lose, viele, viele Lose. Auch dieses Jahr hatte es zwei Frauen gepackt, die unbedingt den Hubschrauber für 400 Punkte mit heimnehmen wollten. Leider war ihnen bei den gezogenen Losen keine hohe Punktzahl vergönnt, so haben sie Los um Los gekauft – es waren sehr viele Lose, die zum Teil auch von meinem Losverkäufer-Kollegen gesponsert wurden – und mühsam zählten sie ihre 5, 10 und maximal 15 Punkte zusammen. Aber sie ließen sich nicht entmutigen, sondern waren voller Zuversicht, dass sie es schaffen würden. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen und haben alle mitgefiebert. Was war das für ein Jubel, als sie endlich die 400 Punkte beisammen hatten und „ihren“ Hubschrauber mitnehmen konnten. Es waren nicht nur die Gewinne-rinnen, sondern auch wir Losverkäufer haben uns gefreut - wie die Kinder. Auch als wir uns später auf der Kirchweih begegnet sind, haben sie noch gestrahlt und stolz ihren Hubschrauber unterm Arm herumgetragen – wie die Kinder.

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen,

so lautet der Spruch für den Monat September. Als ich ihn gelesen habe, sind mir die beiden Frauen mit ihrem Hubschrauber in den Sinn gekommen. Natürlich kann man hier als vernünftiger Erwachsener skeptisch fragen, wie wahrscheinlich es war, dass die Frauen es schaffen, den Hubschrauber zu gewinnen; und man kann kritisch einwenden, dass es gescheiter gewesen wäre, wenn die Frauen in den nächsten Spielzeugladen gegangen wären und sich dort den Hub-schrauber gekauft hätten. Das wäre vielleicht günstiger gewesen als der Losekauf und sie hätten dort vermutlich ein qualitativ besseres Spielzeug mit Garantie bekommen. Das ist alles ganz richtig, aber uns allen wäre viel Spaß und viel Freude entgangen.

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder …

Jesus will mit seinen Worten sicher nicht sagen, dass Kinder bessere Menschen als wir Erwachsenen sind, aber er will uns ermuntern, dass wir uns von den Kindern etwas abschauen.Es tut uns gut, wenn wir manchmal wie die Kinder werden, nicht bedenken und rechnen, was vernünftig, gescheit und günstig ist, nicht abwägen und überlegen, welches Risiko wir eingehen, sondern einfach vertrauen, einfach machen, uns freuen, wenn uns etwas gelungen ist.

Vertrauen und Freude haben viel mit unserem Glauben zu tun. Wo Menschen herzhaft lachen und sich freuen, da ist Gott mit dabei und freut sich. Es steht nichts davon in der Bibel, dass wir immer ernst und misstrauisch sein sollen. Gott will, dass wir voll Vertrauen auf ihn, voller Zuversicht durchs Leben gehen. Das fällt uns oft nicht leicht und da ist es gut, wenn wir immer wieder ein wenig wie die Kinder sein können.

Traurige Momente, wo es uns schwer ums Herz ist, Tage, wo uns Zweifel plagen, die gibt es genug. Aber Gott sei Dank werden uns auch Momente geschenkt, wo wir uns – wie die Kinder - unbeschwert freuen und voller Vertrauen sein können, dass es das Leben gut mit uns meint, dass es Gott gut mit uns meint. Dann dürfen wir ein Stück Himmel auf Erden erleben.

Sie sehen, die Kirchweih ist eine feine Sache; gibt es da doch Losbuden und Hub-schrauber, die uns dem Himmel ein wenig näher bringen.

Herzlichst
Ihre Pfarrerin Andrea Möller

Glaube ist ein Sprung über den eigenen Unglauben.

Er ist das Vertrauen, dass dich einer auffängt, wenn du springst.

Glaube ist ein Weitergehen, wenn du keinen Weg siehst.

Glaube ist ein Sich-verändern-lassen, auch wenn es schmerzt.

Ein Vertrauen darauf, dass etwas wächst ...

Jörg Zink