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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Januar/Februar 2016

 

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Jesaja 66, 13

Liebe Gemeinde,

Heile, heile Segen, drei Tage Regen, drei Tage Sonnenschein, wird schon wieder besser sein. Erinnern Sie sich an diese Worte? Wurden auch Sie so getröstet, wenn Sie sich als Kind das Knie aufgeschlagen und geweint haben? Ich erinnere mich noch gut, wie das war, wenn ich mir wehgetan hatte. Da war der Schreck und erst einmal das Gefühl, dass man ganz allein auf dieser weiten Welt ist, mit seinem großen, großen Schmerz, der einen keinen Schritt mehr gehen lässt. Und dann kam die Mutter, sagte: „Heile, heile Segen“, klebte ein Plaster auf die Wunde, pustete darauf, strich mir über den Kopf, und ich war tatsächlich getröstet und konnte wieder laufen. Ich war getröstet, weil ich mit meinem Schmerz nicht mehr allein dastand, weil die Mutter - und oft auch der Vater - da waren. Ich hatte das Vertrauen: Die bringen alles wieder in Ordnung, sorgen für mich und alles wird gut. Und so war es dann auch.

Trösten kann man sich nicht allein. Getröstet muss man von jemand anderem werden. Diese Erfahrung machen wir von Beginn unseres Lebens an und eine besondere Rolle spielen unsere Mütter. Babies lassen sich oft nur durch ihre Mutter trösten, die sie an der Stimme, am Geruch kennen. Da reicht oft schon die Nähe der Mutter und das Baby beruhigt sich.

Mit der Jahreslosung für das Neue Jahr wird uns versprochen, dass Gott uns so trösten will, wie die eigene Mutter.

Wir sind keine Babies mehr und aus dem Alter, wo wir uns die Knie aufschlagen, sind wir auch heraus, aber es gibt genug im Leben, was uns widerfährt, wo wir Trost brauchen. Das kann eine Krankheit sein, die uns das Leben schwer macht. Mühsam müssen wir lernen, dass es nicht mehr so wie früher geht, dass wir uns von manch Liebgewordenem verabschieden müssen. Das können Sorgen sein, die wir uns um einen Angehörigen machen. Das kann sein, dass wir von einem lieben Menschen Abschied nehmen und ohne ihn weiter leben müssen. Ganz schlimm ist es, wenn das der Partner, die Partnerin ist. Das kann sein, dass wir manche Pläne nicht verwirklichen können und manche Hoffnung begraben müssen. Nicht immer gelingt es uns, solche schwierigen Situationen ohne weiteres zu meistern. Oft brauchen wir Trost. Sätze wie: „Es wird schon wieder“ oder „Da muss man durch“ helfen nicht wirklich weiter.

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Diese Vorstellung rührt mich sehr an, dass Gott uns wie eine Mutter in die Arme schließt, die Tränen abwischt, über den Kopf streicht und uns tröstet. Wir können darauf vertrauen: Gott bringt das alles in Ordnung, er sorgt für uns und alles wird gut.

Nicht alles Schwere und Schlimme wird auf einen Schlag beseitigt, das wird uns nicht versprochen. Aber weil wir Gottes Kinder sind, lässt uns Gott in schweren und schlimmen Zeiten nicht allein. Unsere Mutter würde uns ja auch nicht im Stich lassen. Gott verspricht uns, dass er bei uns bleibt und uns Kraft und Mut gibt, dass wir weiter gehen können – wie mit einem aufgeschlagenen Knie.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie behütet und getröstet in dieses Neue Jahr gehen können.

Ihre Pfarrerin Andrea Möller

 

Wie Gott uns tröstet, ist ganz wunderbar
im Heidelberger Katechismus zusammen gefasst: 

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?" 

Dass ich mit Leib und Seele
im Leben und im Sterben nicht mir,
sondern meinem getreuen Heiland
Jesus Christus gehöre.

Er hat mit seinem teuren Blut
für alle meine Sünden vollkommen bezahlt
und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst;
und er bewahrt mich so,
dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel
kein Haar von meinem Haupt kann fallen,
ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.

Darum macht er mich auch
durch seinen Heiligen Geist
des ewigen Lebens gewiss
und von Herzen willig und bereit,
ihm forthin zu leben.