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KV-Wahl 2018

KVWahl2018

"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten September/Oktober 2016

Liebe Gemeinde, im Juli wurden wir erschüttert von Anschlägen in Frankreich, Würzburg, München und Ansbach. Nicht nur über die Gewalt sind wir erschrocken, sondern auch wie nahe uns dieser Schrecken im beschaulichen Franken gerückt ist. Wir merken: was wir mehr oder weniger aus sicherer Entfernung beobachtet haben, kann auch uns treffen.

Die Ereignisse machen einen zunächst ratlos und sprachlos. Und es ist auch gut, in Gedanken und im Gebet erst einmal bei den Opfern und ihren Angehörigen zu sein. Einfache und schnelle Lösungen gibt es – wie immer im Leben – nicht, auch wenn manche Menschen - auch Politiker - vorgeben, sie zu haben.

Ja, es wäre schön, wenn es ein ganz einfaches Rezept geben würde dafür, dass wir so weiterleben können wie bisher und uns nichts passiert. Aber das gibt es leider nicht. Es werden immer wieder auch Stimmen laut, Grenzen dicht zu machen und kategorisch keine Menschen auf der Flucht mehr aufzunehmen. Aber das kann nicht die Lösung sein. Es gab eine Zeit, wo Menschen aus unserem Land wegen ihres Glaubens, wegen ihrer Gesinnung fliehen mussten, um ihr Leben zu retten. Gerade wir Deutsche dürfen nicht vergessen, wie wichtig das Recht auf Asyl ist. Wir müssen in diesen aufgeregten Zeiten aufpassen, dass wir uns nicht ins Bocks-horn jagen oder uns vom Hass anstecken lassen und unmenschliche Wege vertreten.

„Wir sind Protestleute gegen den Tod“ hat Christoph Blumhardt d. J. gesagt und ich möchte ergänzen: „… und auch gegen den Hass“, weil wir an einen Gott glauben, der die Liebe ist. Verunsicherung, Sorge und vielleicht auch Wut sind in einem jeden von uns, aber sie dürfen uns nicht ganz und gar bestimmen.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2. Timotheus 1, 7).

Weil uns dieser Geist der Liebe leiten will, schauen wir nicht nur auf das, was uns Angst macht, sondern blicken darauf, wo es ein gutes Miteinander der Men-schen zwischen Deutschen und Fremden gibt. Da gibt es einiges zu entdecken, auch bei uns im Ort.

Der Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit ist da am Werk, wo Menschen unterschiedlicher Religionen zusammen stehen und einander helfen und miteinander beten, wie es in München geschehen ist. Er ist in Ansbach am Werk, wo die „Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken“ sich mit einer Ansbacher Erklärung für Achtung, Toleranz und Geschwisterlichkeit einsetzt.

Er ist in unserem Ort am Werk, wo der Freundeskreis Flüchtlinge aktiv ist, um Menschen auf der Flucht zu unterstützen und zu Begegnungen von Flüchtlingen mit Einheimischen einlädt.

Manchmal vergessen wir, dass uns dieser Geist gegeben ist. Deswegen ist es gut, dass wir uns gegenseitig immer wieder daran erinnern.

Ihre Pfarrerin Andrea Möller