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KV-Wahl 2018

KVWahl2018

"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Dezember 2016

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen. (Psalm 130, 6)

Liebe Gemeinde, Warten ist schwer. Warten dauert lang, oft zu lang. Die Geduld wird arg strapaziert. Darum gibt es Adventskalender. An jedem Tag im Dezember ist ein Türchen zu öffnen, bis zum 24-sten. Da kommt das letzte Türchen. Es ist, seit es Adventskalender gibt, größer als die 23 vor ihm. Schöner, bunter und oft mit viel Glitzer effektvoll aufgemacht ist das, was hinter dem letzten Türchen zu finden ist. Die Hersteller von Adventskalendern lassen sich hier etwas einfallen. Der Heilige Abend soll strahlen. Das Warten, manchmal schwer, manchmal mit Qual verbunden, soll sich rentiert haben. Dafür sind Adventskalender ein Sinnbild. Am Ende hat sich das Warten gelohnt, weil etwas wirklich sehr Schönes, etwas Wunderbares kommt.

Worauf warte ich? Gestern, heute, viele Tage vor dem Fest? Die meisten warten nicht aufs Fest, sondern auf ganz andere Dinge für ihr Leben, für diese Welt. Die Gesundheit soll sich wieder einstellen – oder die Krankheit erträglich bleiben. Die Kinder müssten sich melden, sich kümmern. Die Nachbarn sollen mehr als nur das Nötigste mit mir reden, sollen sich wirklich interessieren, wie es mir geht. Manche warten auf Arbeit. Andere auf ein persönliches Wort, nicht auf vorgedruckte Karten. Wieder andere warten, dass der, mit dem sie sich zerstritten haben, den ersten Schritt zur Versöhnung tut, oder warten, dass er das Friedensangebot annimmt. Und die meisten warten darauf, dass in dieser Welt die Waffen schweigen und Menschen nicht mehr aus ihrer Heimat fliehen müssen, sondern daheim in Ruhe und Frieden mit ihren Familien leben können.

Auch auf Antwort wird immer wieder gewartet. Auf Antwort von Gott. Warum ist die Welt so, wie sie ist, mit ihren Erdbeben, Naturkatastrophen, Kriegen? Warum ist sie nicht friedlicher, gerechter, gefahrloser? Im Advent wird uns bewusst, dass da noch etwas sein könnte, sein müsste; dass da noch eine Tür verschlossen ist, die nicht wir öffnen, sondern die nur von der anderen Seite geöffnet werden kann. Im Advent richten Menschen wieder ihren Blick auf diese Tür. Und merken: es wird noch etwas sein. Es wird Heil sein. Alles wird heil sein. Zum Warten im Advent gehören die Sehnsucht und die Hoffnung. Alles soll heil werden und bleiben. Alles. Es ist genug des Unfriedens, des Streitens, der Verletzungen, des Leids. Das alles ist genug. Jetzt soll es heil werden, weil einer zu uns kommt, der Heil und Leben bringt, der Heiland. Er kommt zu mir, er kommt zu aller Welt. Die Hoffnung lässt uns das Warten aushalten. Unser Warten wird nicht umsonst, nicht vergeblich sein, sondern sich „lohnen“ und ans Ziel kommen. Solange ich auf Gott warten muss, will ich selber heilen, was ich kann, auch wenn das nicht viel ist und bitten:

Hilf mir, Gott, dass ich das heile, was verwundet ist – soweit es in meiner Macht liegt. Hilf mir, Gott, dass ich tätig warte. Hilf mir, Gott, dass ich deiner Macht etwas zutraue. Ich will verzeihen und um Verzeihung bitten. Ich will den Hunger in der Welt lindern. Ich will das auch selber tun, was ich von anderen erhoffe.

So wird die Zeit bis zum Kommen des Heilands nicht so lang. Eine gesegnete Wartezeit wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Andrea Möller