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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten März/April 2017

Liebe Gemeinde,

von sehr vielen Menschen mussten wir uns in diesem Jahr schon verabschieden. Sie sehen es auf der letzten Seite, wo die Verstorbenen aufgeführt sind. Es steht da der Name, das Alter, die Straße. Hinter diesen kurzen Angaben verbirgt sich eine Lebensgeschichte. Zu diesen Namen gehören Menschen, die zurück bleiben, An-gehörige, die um die Verstorbenen trauern. Bei den einen ist in aller Trauer auch der Gedanke, dass es gut ist, wie es gekommen ist und sie können sagen, der Verstorbene ist von seinem Leiden erlöst worden. Bei den anderen ist ein großer Schrecken, weil der Verstorbene ganz plötzlich gehen musste und mitten aus dem Leben gerissen wurde.

Leiden, Schrecken, Trauer gehören zu unserem Leben dazu. Dem können und sollen wir nicht ausweichen, gerade jetzt in der Passionszeit nicht. Es ist eine stillere, nachdenklichere Zeit, wo wir Jesu Weg ans Kreuz mitgehen.

Es ist die Frage, was hilft im Leiden, in der Trauer, im Schrecken, im Kreuz? Was kann Trost geben, wenn man realisiert, dass ein Leben unwiederbringlich vorbei, eine gemeinsame Lebensgeschichte zu Ende ist?

Von etlichen Gemeindegliedern haben wir in diesem Jahr in unserer Auferste-hungskirche Abschied genommen. Unterhalb der Stufen des Altars steht der Sarg, darüber der Gekreuzigte, am Altar brennt die Osterkerze, die uns auf die Auferste-hung Jesu hinweist. Das letzte Abendmahl am Altar erinnert uns an die Gemein-schaft, die Jesus mit uns schon hier auf Erden haben will, und an das große Festmahl dereinst in seinem Reich. Auch am Friedhof in der Aussegnungshalle ist ein Kreuz zu sehen. Der Trost, den wir als Christen haben, wird uns vor Augen geführt. Wir hören diesen Trost mit den Worten: Jesus Christus spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“.

Das Leben und Sterben der Menschen, von denen wir uns verabschieden müssen, wird mit Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, zusammengesprochen. Das ist unser Trost, dass unsere Lieben nicht im Tod bleiben. Jesus wird ihnen neues ewiges Leben schenken. Unsere Lieben und auch wir werden auferstehen.

Das wird uns verheißen, aber wie das gehen soll, wie das sein wird, das können wir nicht sagen. Vorstellen können wir uns das nicht. Es ist unbegreiflich. Wir brauchen Symbole, Hinweise, die unser Vertrauen darauf stärken, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern der lebendige Gott, der uns neues Leben bei sich schenkt.

Ein Symbol für die Auferstehung ist seit alters her der Schmetterling. Wenn wir eine am Boden kriechende Raupe oder eine wie leblose Puppe sehen, dann können wir nicht darauf schließen, was für ein wunderbares schönes Geschöpf daraus wird, das durch die Lüfte fliegt. Aber doch ist es so.

Wie wir uns die Hoffnung auf Leben über den Tod hinaus vorstellen können, kommt auch in einer Geschichte zum Ausdruck:

Eine Frau erwartet Zwillinge. Die waren noch im Bauch der Frau, im Mutterleib. Mehr und mehr wuchs das Bewusstsein der Zwillinge und auch ihre Freude stieg.  „Ist es nicht wunderbar, dass wir leben?"  Monate vergingen und sie merkten, wie sehr sie sich verändert hatten. "Was soll das heißen?" fragte der eine Zwilling den anderen. "Das heißt nichts anderes," antwortete der andere, "dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald seinem Ende zugeht." „Aber ich will gar nicht gehen," erwiderte der eine, „ich möchte für immer hier bleiben." "Wir haben keine andere Wahl," entgegnete der andere, „aber vielleicht gibt es ein Leben nach der Geburt." „Wie könnte dies sein?" fragte zweifelnd der erste. „Andere haben vor uns diesen Schoß hier verlassen, und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, dass es ein Leben nach der Geburt gibt. - Nein, die Geburt ist das Ende!" So fiel der eine von ihnen in tiefen Kummer und sagte: „Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Schoß? Es ist sinnlos! - Womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allem." „Aber sie muss doch existieren," protestierte der andere, „wie sollten wir sonst hierhergekommen sein? Und wie könnten wir am Leben bleiben?" „Hast du je unsere Mutter gesehen?" fragte der eine. „Womöglich lebt sie nur in unserer Vorstellung. Wir haben sie uns erdacht, weil wir dadurch unser Leben besser verstehen können!" Viele Fragen waren nun da und große Angst. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie ihre Augen. - Sie schrien.  Was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume.

Ich vertraue darauf, dass die Auferstehung unsere kühnsten Träume übertrifft. Das feiern wir an Ostern und das ist der Trost, den wir haben.

Eine gesegnete Passionszeit wünsche ich Ihnen und dann ein fröhliches, hoffnungsvolles Osterfest Ihre Pfarrerin Andrea Möller