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Abschiedspredigt von Frau Pfarrerin Möller (10.09.2017)

Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.
      Psalm 86, 11

Liebe Gemeinde,
welche Wege sind Sie heute Morgen schon gegangen, bis Sie Ihr Weg hierher geführt hat? Welche waren es in der vergangenen Woche?
Ganz viele verschiedene Wege gibt es in unserem Leben: schwere Wege, Wege durch dunkle Täler, die wir uns nicht aussuchen; es gibt aber auch Wege über luftige Höhen, die wir fröhlich und beschwingt zurücklegen. Die suchen wir uns auch oft nicht aus, sie werden uns geschenkt; die suchen sich uns aus.
Wege werden in Liedern – auch in nicht christlichen  – besungen, z.B. auch der Weg zum Himmel („Stairway to Heaven“) oder der zur Hölle („Highway to hell“). Oder es wird der Weg zur nächsten Whiskeybar gesucht (Show me the way tot he next whiskeybar). Und in all den Liedern, den christlichen und nicht christlichen, wird deutlich: für unsere Wege ist ein Ziel wichtig. Wenn wir uns auf den Weg machen, dann wollen wir auch ankommen. Das gilt für die Wege, die wir tagtäglich in unserem Leben gehen.
Das gilt auch für unseren Lebensweg: Unser Ziel haben wir gerade besungen. „So gehen unsere Wege gewiss zum Himmel ein. Das mag ich so an den Paul-Gerhard-Liedern, dass wir da immer erinnert werden, dass das Ziel unseres Lebens bei Gott ist. Leider kommt das immer erst am Ende der Lieder in den letzten Strophen und soweit kommt man beim Singen im Gottesdienst oft nicht.
Es gibt aber auch Ausnahmen. Der Posaunenchor denkt sicher noch (gern?) an einen Gottesdienst, wo wir von „Geh aus mein Herz“ alle Strophen gesungen haben.
Unser Leben hat ein Ziel. Die Erinnerung daran kann uns Trost sein: der Tod muss uns nicht schrecken. Das kann uns auch Mahnung sein, dass wir unser Herz nicht zu sehr im Irdischen verlieren.
An das Ziel unseres Lebens werden wir übrigens auch erinnert, wenn wir in unsere Kirche hereingehen. Gleich am Eingang ist A und ? im Fußboden eingearbeitet. Jesus Christus ist Anfang und Ende, Ursprung und Ziel unseres Lebens. – Wir sind unterwegs, von Ort zu Ort, sind unterwegs in der Zeit in Richtung Zukunft, in Richtung Ewigkeit. Wir sind auf dem Weg, sind in Bewegung; das gehört zu uns Menschen dazu.
Leben heißt sich regen, Leben heißt wandern, so werden wir später noch singen. – Wenn wir uns auf den Weg machen, sagen wir mal von Altenfurt nach Fischbach, dann ist klar, welchen Weg wir wählen müssen, dass wir ankommen. Auf jeden Fall muss man für diesen Weg auf der Straße durch die Bahnunterführung durch, durch den Wald über die B 4 drüber. Lange Zeit hatte man bei dem Weg Altenfurt-Fischbach und auch Fischbach-Altenfurt das Gefühl, dass er nur schwer zu finden, die Wegstrecke fast nicht zu überwinden ist. Gott sei Dank geht das nun leichter; v.a. die Jugend in unseren Gemeinden hat uns das gezeigt. Wenn wir eine Wanderung machen, dann wissen wir meist auch, welchen Weg wir gehen müssen, um an dem Ziel, das wir uns vorgenommen haben, anzukommen.
Aber wie ist das mit unserem Lebensweg? Sicher gibt es Situationen, wo wir ganz und gar zielstrebig unterwegs sind und wissen: da geht’s lang. Und wir kommen dann auch da an, wo wir hinwollen.
Aber oft ist es doch auch so: wir sind unterwegs und wissen gar nicht so recht, welchen Weg wir nehmen sollen. Sollen wir uns dafür oder dafür entscheiden oder doch lieber noch mal einen ganz anderen Weg gehen? Oft werden uns schöne gerade Wege angeboten, ob das im Rückblick immer die besten sind, sei noch einmal dahingestellt. Oft gehen wir ins Ungewisse, bewegen uns auf Bahnen, die nicht gerade, nicht abgesichert sind. Es hilft, gerade auf solchen Wegen – und nicht nur da –, auf das Versprechen zu vertrauen, dass uns in der Bibel immer wieder gegeben wird:
Gott ist unser treuer Begleiter auf unseren Wegen; sein Wort ist Licht auf unserem Weg.
Gott schickt uns Menschen, die mit uns gehen, uns zur Seite stehen. Mit denen wir lachen, weinen, mit denen wir beten können. Ich denke dankbar, an die Menschen, die mich bisher in meinem Leben begleitet haben: meine Eltern, meine Familie, meine Freunde.

In den letzten 13 Jahren, eigentlich in den letzten 19 Jahren waren das auch die Menschen aus Fischbach und Altenfurt/Moorenbrunn. Es waren die Kolleginnen und Kollegen, die Menschen im Prodekanat, im Dekanat. Gemeinsame Wege sind wir gegangen, haben miteinander gelebt, haben miteinander gearbeitet, gefeiert, haben unseren Glauben gelebt, uns im Glauben gestärkt, uns im dunklen Tal gegenseitig erinnert, dass Gott auch da bei uns ist. Und nun trennen sich unsere Wege. Wo Menschen miteinander unterwegs sind, da bleibt es auch nicht aus, dass mal gestritten, gekämpft wird. Wichtig ist aber, dass man dann auch wieder miteinander weitergehen kann. – Gott stellt uns Begleiter zur Seite und er schickt uns Engel, dass sie uns auf allen Wegen behüten. Oft haben diese Engel auch ein ganz und gar menschliches Antlitz.
Gott können wir all unsere Wege befehlen, er wird’s wohl machen. Sie haben sicher alle die Psalmworte erkannt und ich sage Ihnen heute nichts Neues. Wir wissen, dass Gott unser Begleiter ist, aber manchmal kommt es uns aus dem Sinn; manchmal zweifeln wir daran; dann muss es uns mit Nachdruck wieder gesagt werden. Es ist gerade so, als ob die Psalmen gegen aussichtslose Situationen, wo wir keinen Weg finden, wo wir uns vor einem Weg fürchten, als ob die Psalmen dagegen angehen, anbeten. Sie weisen uns darauf hin, dass es noch eine andere Wirklichkeit gibt, als die, die wir vor Augen haben. Durch unsere Taufe sind wir in diese andere Wirklichkeit hineingenommen. Es gilt: ein dunkles Tal muss uns nicht schrecken, denn Gott ist bei uns, sein Stecken und Stab trösten uns.
Gerade wenn man Zweifel daran hat, muss man sich das sagen lassen. Und das nährt die Hoffnung, dass wir es auch so erfahen dürfen.

Oft wird auch die Bitte in den Psalmen laut, dass Gott uns den Weg zeigt: Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte. Das ist mein Konfirmationsspruch und ich danke dem Kirchenchor sehr herzlich, dass Sie ihn heute gesungen haben. Als junges Mädchen habe ich ihn mir, nach Beratungen mit meiner Mutter ausgesucht. Es war 1976 und es war damals die Jahreslosung. Ein klarer eindeutiger Spruch, der einem zeitlebens ansprechen kann, so dachte ich.
Ja, das stimmt. Ansprechen können einen diese Worte ein Leben lang. In wichtigen Situationen, wo Entscheidungen gefragt waren und ich mich mit vielen Menschen beraten habe, sind genau diese Worte mein Gebet: Weise mir, Herr, deinen Weg. Und dahinter steht die Frage, die Bitte: was ist der Weg, den du, Gott, für mich vorgesehen hast? Hilf, dass ich mich in meiner Entscheidung nicht nur von meinem Willen, meinem Sturkopf leiten lasse, sondern zeige mir, welchen Weg du für mich vorgesehen hast. Lass mich eine Entscheidung treffen, mit der ich gut meinen Weg weitergehen kann.  
Ich bin bestimmt niemand, der ganz und gar vollmundig von der Führung Gottes in seinem Leben spricht. Ich denke nicht unbedingt, es gibt nur einen einzigen richtigen Weg für einen Menschen und da ist dann kein links und rechts mehr. Eher sage ich, wenn ich auf eine Wegstrecke, die ich zurückgelegt habe, schaue: es hat sich gut gefügt. Gott hat es gefügt. Es hat gepasst. Gott hat mir geholfen, meinen Weg zu gehen, auch wenn es manchmal Schwierigkeiten und auch schlaflose Nächte gab. Gerade in den schlaflosen Nächten ist es wichtig, sich zu sagen: Gott allein ist Herr der Welt; nicht man selber und auch nicht die Sorgen, nicht das, was einem den Schlaf rauben will.
Es hat sich gut gefügt, so kann ich es für mein bisheriges Leben, und auch für meine Zeit in Fischbach sagen. Und ich hoffe, dass ich es auch einmal für meine Wege in Ansbach werde sagen können. 
Mein Konfirmationsspruch hat mir auch viel zu denken gegeben, weil der 2. Halbsatz sich nicht so schnell erschließt, wie ich als 14-jährige dachte:
dass ich wandle in deiner Wahrheit. Was bedeutet es in der Wahrheit zu wandeln? Was ist Wahrheit? So fragt schon Pilatus, als Christus vor ihm steht. Was ist die Wahrheit über uns Menschen? Was ist die Wahrheit über mich, mein Leben? Über unsere Welt? Da fällt Ihnen sicher einiges ein.
Über mich könnte ich sagen: Dass ich ein wenig zu klein geraten und schon älter bin, graue Haare, gute und schlechte Seiten habe, gerne Fahrrad fahre, meist fröhlich und leider sehr ungeduldig bin.
Ja, das ist wohl wahr, aber das ist nur die halbe Wahrheit über mein Leben. Denn da gibt es ja noch die Wahrheit Gottes über mein Leben, über unser aller Leben. Nun könnte ich hier viel ausführen, was die Wahrheit Gottes über mein, über Ihr Leben, über unsere Welt ist. Die Wahrheit Gottes lässt sich zusammenfassen in einem Namen: Jesus Christus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Durch unsere Taufe sind wir untrennbar mit ihm verbunden. Sie merken schon und haben es sicher auch die letzten Jahre gemerkt: meine Taufe ist mir sehr wichtig, weil mir da etwas gesagt wird, was ich mir selber nicht sagen, nicht zusprechen kann.
Hans Dieter Hüsch hat in einem Gedicht wunderbar ausgeführt, was diese Wahrheit Gottes für uns Menschen bedeutet.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit,
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Versagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

 

Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her
und hin vom Kindbett bis  zur Leich.

 

Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.

 

Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

Das ist die Wahrheit Gottes, wo wir Menschen besonders in den Blick kommen. Die andere Seite der Wahrheit, wo der Blick mehr auf Gott gerichtet wird, möchte ich Ihnen aber auch nicht vorenthalten.
Die Psalmen stehen im AT und das ist im Urtext in Hebräisch. Im Hebräischen steht für Wahrheit ein Wort, ???, Ämed, das mehrere Bedeutungen hat. Es kann nicht nur mit Wahrheit, sondern auch mit Treue und Zuverlässigkeit übersetzt werden.
Das ist die Wahrheit über Gott, dass er treu und zuverlässig ist. – Daran erinnern uns diese Worte aus Psalm 86, der übrigens die Überschrift „Gebet in Bedrängnis“ trägt. Auch in Bedrängnis können wir unsere Wege mit dem treuen Gott gehen, können „in der Wahrheit, der Treue Gottes wandeln. „Treue“ ist etwas ganz wichtiges für unser menschliches Zusam-menleben. Ohne Treue kann es nicht gelingen. Ohne Treue ist eine Beziehung nicht von Dauer. Wir leben davon, dass Menschen uns auf unserem Lebensweg treu begleiten. Das muss nicht nur der Ehepartner, die Ehepartnerin sein. Solche treue Menschen geben uns eine Ahnung von der Treue Gottes. In unserer Taufe hat Gott mit uns einen Bund geschlossen, den Bund fürs Leben, dass er treu zu uns steht, dass er uns trägt und hält. Und wo Gott treu zu uns steht, wo wir auf ihn vertrauen, da wandeln wir in seiner Wahrheit und können - sei es in Fischbach, sei es in Nürnberg, sei es in Ansbach oder sonst wo auf dieser Welt - uns getrost auch auf neue unbekannte Wege in die Zukunft machen.
Amen
Andrea Möller