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KV-Wahl 2018

KVWahl2018

"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Januar/Februar 2018

Liebe Gemeinde,

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst“, so das Versprechen Gottes aus Offenbarung 21,6, der Jahreslosung für 2018. Was für eine Verheißung, schier märchenhaft: Wasser des Lebens, ewigen Lebens, für alle, die danach suchen und sich sehnen. Nur einst – oder auch jetzt?  „Wasser für alle“. Vielleicht haben Sie aus dem letzten Gemeindebrief noch das Bild der aktuellen Aktion von Brot für die Welt vor Augen. Dann wissen Sie, dass 700 Millionen unserer Mitmenschen heute keinen Zugang zu sauberem Wasser haben ... Ich kann die Jahreslosung nicht mehr hören, ohne an Agnes Irima aus Kenia zu denken. Sie erzählt:

„Ich hatte nachts Albträume, dass ich kein Wasser finde. Was wäre aus den Kindern geworden?“ Und auch wenn sie eine Wasserstelle fand, mussten 30 Liter am Tag für fünf Kinder und alle Bedürfnisse von Trinken über Wäsche Waschen und Geschirr Abspülen reichen. Wie viel Mühe, Kraft und Zeit sie das alles gekostet hat – keineswegs „umsonst“!

In Vietnam litten die Zwillinge von Lam Kim Phuong immer wieder an Durchfallerkrankungen, weil das Flusswasser zum Kochen benutzt werden musste. Kein „lebendiges Wasser“ fand sich dort, es war krankmachendes, ja manchmal sogar todbringendes Wasser.

Der Durst nach Wasser ist in diesen Ländern auch der Durst nach Gerechtigkeit. Denn die Menschen, die am meisten unter dem Wassermangel und der Verschmutzung des Wassers leiden, sind oft die, die nichts davon verursacht haben und die auch nichts von den Gütern haben, die mit hohem Wasserverbrauch hergestellt und dann exportiert werden ...

Eine Jahreslosung ist das also, die mich (und mein Konsumverhalten) in Frage stellt. Die mich auf den Durst in der Welt hinweist. Und die doch auch mich einlädt, zur „Quelle lebendigen Wassers“ zu kommen, die Gott für mich bereit hält. Heil und Heilung, Erfrischung und neue Kraft, für meinen Leib und meine Seele. Umsonst – gratis – sola gratia. Im Wasser der Taufe, aus dem Kelch des Heils strömt uns das Leben zu, das Gott uns schenkt: jetzt und ewig. Aus dieser Quelle schöpfen wir die Kraft zu Veränderung, die auch die Mitarbeitenden von Brot für die Welt zu ihrem Einsatz bewegt: Heute trinken die Zwillinge gesundes Wasser aus Regenwassertanks, und seit Agnes Irima ihren Kindern genug Wasser aus einem Wasserbehälter in der Nähe geben kann, kommen sie in der Schule viel besser mit.

Aber auch da, wo Wasser jederzeit aus der Leitung kommt, gibt es Durst. Darum laden wir in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche vom 4. bis 11. Februar zum fünften Mal zur „MahlZeit“ ein. Täglich von 12.00 bis 14.30 Uhr stehen im Kirchenraum für ein Euro ein frisch gekochtes Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen bereit für alle, die sich einladen lassen. Wir erleben dabei viel Durst nach Gemeinschaft und Gespräch, nach Wahrgenommen werden. Es ist darum gut, dass wir Mitarbeitenden jeden Mittag kurz vor 12 Uhr uns um den Altar mitten in der Kirche versammeln. Von Gott, Quelle des Lebens, erwarten wir Kraft für unser Tun, und wir spüren immer wieder dankbar, wie Menschen aufblühen.

Es wäre schön, wenn wir uns am einen oder anderen „Quell-Ort“ in diesem Jahr begegnen. Und gebe Gott uns die Kraft, in seinem Namen auch anderen den Weg dorthin zu eröffnen.

Ihre Griet Petersen