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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten März/April 2018

Liebe Gemeinde,

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!
(Johannes 19, 30)


Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
(Johannes 20, 21)

Diese beiden Worte Jesu überspannen als Monatssprüche den Zeitraum dieses März/April-Gemeindebriefes. Der Bogen beginnt mitten in der Passionszeit und endet weit in der österlichen Freudenzeit: vom Sonntag Okuli bis zum Sonntag Kantate. Karfreitag und Ostern genau in der Mitte.

Jesu Wort „Es ist vollbracht!“ beendet im Johannesevangelium die Passion, die Leidensgeschichte Jesu an Karfreitag. Der Tod Jesu als gesetztes Ziel des Leidens. Die größte Katastrophe, die seine Jüngerinnen und Jünger sich hatten vorstellen können, wird in diesem Wort Jesu umgedeutet in einen göttlichen Heilsplan. Die Katastrophe und das Scheitern am Kreuz wird zum Sieg – jedenfalls in Jesu Wort.

Aber der Karfreitag an und für sich ist und bleibt für die Jüngerinnen und Jünger zunächst eine Katastrophe. Sie laufen tief verunsichert davon und sind todtraurig. Der von Jesus mit „Es ist vollbracht!“ verkündete Sieg bleibt unbegreifbar, unglaubwürdig.  Erst, als der Gekreuzigte selbst ihnen als Auferstandener wieder be-gegnet, hat dieser Sieg eine Chance, ihnen zum Glauben zu werden. Das Kreuz allein, Karfreitag allein bleibt Torheit und Scheitern. Erst mit Ostern beginnt der Sieg. Es ist an Karfreitag vielleicht alles vollbracht, aber erst mit Ostern, in der leibhaftigen Begegnung mit dem Auferstandenen, beginnt der Sieg glaubwürdig zu werden.

Und nach der glaubensstiftenden Begegnung mit dem Auferstandenen empfangen die Jünger Segen und Sendung. „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Gerade in der ernüchternden Welt von Gewalt und Kreuzestod empfangen die Jünger den Frieden selbst als Begleiter – und mehr noch: sie werden von Jesus an seiner Stelle in genau diese von Gewalt und Kreuzestod geprägte Welt gesandt. Botschafter sollen sie sein, die zeugen von jenem Sieg, der am Kreuz begann und in Jesu Auferstehung längst nicht zu Ende ist. Es geht um Auferstehung mitten im Leben durch Vergebung und Heilung. Es geht um einen Sieg, der keine gedemütigten Verlierer und keine Spur der Verwüstung hinterlässt, sondern aufbaut und aufrichtet.

Die Wochen bis Karfreitag und nach Ostern sind Jahr für Jahr entscheidend dafür, ob der Sieg Jesu durch seine Jüngerinnen und Jünger, also durch jeden und jede von uns, hineinleuchtet in die dunkle Welt und ob der Friede, der uns begleitet, greifbare Wirklichkeit für viele zu werden beginnt.

Packen wir‘s an! Jesus rechnet mit uns, weil er längst angefangen hat und den größten Schritt getan hat, dem nun meine und Ihre kleinen Schritte folgen dürfen.

Daniel Szemerédy
Pfarrer an der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche