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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten August/September 2018

Fisch 1 kleinLiebe Fischbacher Gemeindeglieder,
immer wieder wurde ich in meiner Forther Gemeinde gefragt, warum wir ausgerechnet nach FISCHbach ziehen. Es gab verschiedene Gründe für meine Bewerbung. Erst im Nachhinein ist mir aber bewusst geworden, dass der Name zu meinem Verständnis von christlicher Gemeinde passt und ich deswegen natürlich da hin muss. Im Laufe meines Dienstes als Pfarrer ist der Fisch zu dem Symbol geworden, das mich begleitet hat. Deswegen habe ich den Glasfisch vor dem Fischbacher Pfarrhaus gestaltet, der auch auf der Titelseite des Kirchenboten abgebildet ist.

Der Fisch ist das uralte Zeichen der Christen für ihren Glauben an Jesus Christus. Fisch heißt auf Griechisch Ichthys. Die Anfangsbuchstaben ergeben abgekürzt die Botschaft wieder:

11342112529670557Das sehe ich als Aufgabe als Pfarrer, im Zeichen des Fisches die Gute Nachricht von Jesus Christus zu bezeugen und weiterzugeben. Wichtig ist mir, dass die Menschen erfahren, dass Jesus Christus auch für sie gestorben und auferstanden ist, dass er mir persönlich im Alltag begegnen will, da, wo ich lebe und arbeite, dass er mich begleitet in den Sternstunden und Katastrophen meines Lebens, dass er mein guter Hirte ist.

Die ersten Jünger Jesu waren Fischer am See Genezareth (fisherman`s friends). Sie sind ihm nachgefolgt und er hat sie zu Menschenfischern gemacht. Durch sie ist die Botschaft auch zu uns gekommen. Jesus hat uns den Auftrag gegeben, alle Menschen zu ihm einzuladen.

Der Fisch wurde auch zum Symbol für die besondere Gemeinschaft, die durch Jesus Christus entstanden ist. In seiner Gemeinde kommen ganz verschiedene Menschen zusammen, die sonst vielleicht nichts miteinander zu tun hätten. Sie teilen von ihrem Reichtum, sie hören aufeinander und fragen gemeinsam nach Gottes Willen. Sie fühlen sich verantwortlich für das, was um sie herum passiert, sie mischen sich ein, wo Unrecht geschieht und machen den Menschen Mut, ihr Leben zu ändern.

Gemeinschaft - das wurde zu meinem großen Thema über die Jahre. Wie schaffen wir es, miteinander auszukommen? Wie gehen wir mit Konflikten und verschiedenen Meinungen um? Was verbindet uns? Wie können wir die Gemeinschaft in Jesus Christus leben? Wer gehört wirklich zu uns? Was hat das für Konsequenzen für unsere Gemeinschaft, wenn ich in der Nachfolge Jesu leben will?

Tabgha Brot und Fische 1Der Fisch ist auch ein Zeichen des Segens, mit dem uns Jesus Christus überschüttet. Im Evangelium wird uns die Geschichte erzählt, wie Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen eine große Menschenmenge satt macht. Jesus stillt unsere Sehnsucht nach Leben, bei ihm finden wir Ruhe für unsere Seele. Als Jesus nach der Auferstehung den Jüngern am See Genezareth begegnet, hat er auf einem Kohlefeuer schon das Frühstück vorbereitet: gegrillter Fisch. In Franken ist ein Fest ohne etwas zu Essen nicht denkbar, wobei hier natürlich die Bratwurst den Fisch ersetzt.

Der Fisch ist auch Zeichen der Vielfalt in der christlichen Gemeinde. Unglaublich, was sich im gemeindlichen Fischteich für Exemplare tummeln. Hier wird es nie langweilig. Da kommen die alteingesessenen, schmackhaften Karpfen mit den knackigen Forellen zusammen, treffen sich Grundeln und Exoten, giftige Feuerfische und bissige Hechte. Das Besondere der christlichen Gemeinde ist, dass hier nicht in erster Linie Menschen zusammenkommen, die sich sympathisch sind, sondern die gemeinsam auf dem Weg sind. Mir sind in Fischbach bisher ausgesprochen sympathische Exemplare über den Weg geschwommen. Ich freue mich sehr auf diesen Schwarm.

Und schließlich: der Fisch als Zeichen der Rettung. Es war ein Fisch, der den Propheten Jona in größter Not, in der Tiefe des Chaos errettet hat. Gerade da begegnet Gott uns immer wieder in besonderer, manchmal sogar unglaublicher Weise, wenn wir durch große Dunkelheit hindurch müssen. Im Krankenhaus, am Sterbe-bett und auf dem Friedhof, da spüren wir besonders seine tröstende Nähe.

Die Gemeinde Jesu Christi ist der Ort, wo Verfolgte Zuflucht finden, Trauernde einen geschützten Bereich, wo sie von der Gemeinschaft mitgetragen werden und die Verlierer und Ausgegrenzten Lebenshilfe.

Das alles ist für mich christliche Gemeinde im Zeichen des Fisches.

Ihr Johannes Häselbarth
Pfarrer