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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Oktober/November 2018

Liebe Fischbacher Gemeindeglieder

In einer Dorfkirche in Asclepio auf Rhodos habe ich dieses Wandbild gesehen, das mich sehr angesprochen hat. Es stammt aus dem 17. Jh. und ist Teil einer ganzen Bilderreihe durch die Bibel von der Schöpfung bis zur Offenbarung des Johannes. Dargestellt ist, wie Gott Adam erschafft:

 „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn als Mann und Frau.“ (1 Mose 1, 26)

Erschaffung Adams

Was mich an diesem Bild fasziniert ist, dass Adam so dargestellt ist, dass er Gott in die Augen schaut, dass er wirkliches Ge-genüber Gottes ist, nicht ein ver-
druckstes Häuflein! So hat Gott ihn gedacht und gewollt! Adam ist fast genauso groß wie Gott. Er hat eine Würde als Mensch, er kann mit Gott sprechen. Er ist nicht eine Marionette oder eine Puppe, die blind ihrem Schöpfer folgt. Er senkt auch nicht den Blick in Demut. Warum auch?

Das Bild sagt: Mensch, du musst dich nicht klein machen vor Gott. Du bist etwas ganz Besonderes, Einmaliges. Deinem Gott ist es wichtig, mit dir in Kontakt zu sein. Du bist Kind Gottes, auf Augenhöhe. Ich schaue nach dir, ich bin für dich verantwortlich. Wir können und sollen uns in die Augen sehen.

Das Bild ist aber auch Aufforderung: Gott spricht zu mir: Schau mir in die Augen. Mach die Augen auf! Leb nach deiner Bestimmung! Du bist mein Kind. Lebe ehrlich, nach Deiner Bestimmung. Du kennst doch meinen Willen, weißt doch, was gut und böse ist. Kümmere dich um die Menschen, die dir anvertraut sind. Schaue die Menschen um dich herum so an, wie ich dich anschaue, mit liebenden, verstehenden Augen. Schau mir in die Augen, und du wirst sehen, was dein nächster Schritt sein soll.

Ich wünsche uns allen, dass wir einander ansehen mit liebenden Augen, dass wir einander ernst nehmen, dass wir uns Zeit nehmen für einander, uns zuhören, mitfühlen. Wir alle sind Ebenbilder Gottes, von ihm geschaffen, von ihm gewollt.

Ihr
Johannes Häselbarth, Pfarrer