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KV-Wahl 2018

KVWahl2018

"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Dezember 2018 / Januar 2019

Liebe Fischbacher Gemeindeglieder,

Sie müssen jetzt ganz stark sein. Ich sage Ihnen jetzt, was Sie schon als Kinder geahnt haben, aber nie wahrhaben wollten. Es gibt keinen Weihnachtsmann und Rentiere, die fliegen. Den hat eine bekannte Getränkefirma zu dem gemacht, der er heute ist. Es gibt keinen Knecht Ruprecht oder Krampus, das haben sich verzweifelte Eltern ausgedacht, die mit ihren frechen Kindern nicht zurecht kamen. Es gibt auch kein Christkind, das irgendwelche Verkaufsveranstaltungen eröffnet oder eine Ortschaft repräsentieren soll.

Anders sieht es mit dem Bischof Nikolaus aus. Der hat im 4. Jahrhundert in Myra, in der westlichen Türkei gelebt und hat sich vor allem für Kinder eingesetzt. St. Martin ist auch echt, der hat wirklich gelebt, auch im 4. Jahrhundert in Tours in Frankreich. Er ist bekannt dafür, dass er Barmherzigkeit gelebt hat, nicht nur, indem er seinen Mantel geteilt hat.

Jetzt ist es raus. Das musste einfach einmal gesagt sein bei der Verwirrung, die rund um Weihnachten herrscht. Immer neue Gestalten tauchen auf und da kennt sich kein Mensch mehr aus. Die Elfen, Engelchen und angeblich himmlischen Werkstätten und Postämter will ich gar nicht erwähnen.

Das Ganze könnte uns eigentlich egal sein, ob es die gibt oder nicht. Abgesehen davon, dass es nervt. Das Problem ist aber, dass diese Gestalten an die Stelle dessen treten, um den es geht. Die geben ja auch was her. Das Christkind mit seinem lockigem Haar, dem Goldkleid und dem Zepter. Das hat schon was und findet ganz leicht den Weg auf die erste Seite der Tageszeitung.

Aber die Weihnachtsgeschichte ist kein Märchen, sondern bittere Wirklichkeit. Das echte Christkind wird unter erbärmlichen Bedingungen geboren. Es ist schrumpelig und blutverschmiert wie jedes Neugeborene. Der Stall hat nichts Gemütliches, kein Duft von frischen Lebkuchen und Glühwein. Gott kommt in unsere Welt und lebt unter unseren Bedingungen. Das Kind kämpft ums Überleben wie jedes andere Kind.

Aber wir halten das nicht aus und passen die Geschichte an unsere Wohlstandsgesellschaft an. Wer will schon das ganze Leid der Welt vor Augen haben – schlimm genug, was die Nachrichten die ganze Zeit bringen. Viele von uns kennen die Weihnachtsgeschichte gar nicht mehr, feiern ein Fest ohne Sinn und wundern uns dann, dass es uns so leer zurücklässt.

Die gute Botschaft von Weihnachten ist aber, dass Gott in unsere Welt kommt, ob wir ihn wahrnehmen oder nicht, ob wir uns für ihn öffnen oder nicht. Die meisten Menschen in Bethlehem haben ja auch nichts von dem Wunder gesehen, was im Stall passiert ist. Jesus wurde von vielen abgelehnt und schließlich gekreuzigt.

Aber Gott kommt trotzdem und wirbt um uns mit seiner Barmherzigkeit. Nur müssen wir genau hinschauen, um ihm zu begegnen. Und die Geschichte sagt mir, dass er eher in einem Asylbewerberheim zu finden ist als auf einem Weihnachtsmarkt.

Ich wünsche Ihnen und mir, dass das Kind in der Krippe uns begegnet, uns verändert, dass es uns berührt im Herzen und uns stärkt für unseren Alltag. Ich lade Sie alle ein zu den Gottesdiensten, die über Advent und Weihnachten bei uns angeboten werden, wo es genau um diese Botschaft geht!

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihr

Johannes Häselbarth