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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Dezember 2019 / Januar 2020

Liebe Gemeinde,

Irgendwie passt eine Krippe nicht in das Edelcafè des Modeschöpfers Armani, einem Unternehmen mit einem geschätzten Wert von 5 Milliarden Euro. Das müssen die Besitzer des Cafès selber gemerkt haben, denn sie haben dem bitterarmen Flüchtlingskind eine blütenweiße Decke spendiert, statt es „elend, nackt und bloß“ auf Stroh in einen Futtertrog zu legen. Auch Maria und Josef sind mit edlen Mänteln neu eingekleidet worden. Diese Heilige Familie ist nicht in einen Stall abgeschoben worden, sondern wartet darauf, dass die geladenen Gäste kommen und die Weihnachtsgans serviert wird.

Hat das noch etwas mit Weihnachten zu tun, die Geburt unseres Heilandes in einem elenden, stinkenden Stall, bei den Ärmsten der Armen? Bevor wir uns jedoch über die Geschmacklosigkeit dieses Schaufensters aufregen, lasst uns einfach einmal darüber nachdenken, wie wir unser Weihnachtsfest feiern. Was gehört für uns zur „Weihnachts-stimmung“? Alles ist festlich geschmückt, der Bratenduft zieht durch´s Haus, unter dem reich behängten Baum liegen wertvolle Geschenke, als Höhepunkt der festliche Gottesdienst mit bester Musik. Das ist alles wunderbar und wichtig.

Vielleicht haben wir auch eine Krippe aufgestellt, aber hat die irgendetwas mit dem Kommen unseres Heilandes zu tun, wie es uns in der Weihnachtsgeschichte erzählt wird? Eine völlig erschöpfte Mutter, ein runzliges, blutverschmiertes Kind, Tiere und Dreck. Ist da die Krippe von Armani nicht ehrlicher, die deutlich zeigt, dass wir Wohlhabenden uns

das Elend der Welt gar nicht vorstellen können und es auch nicht vor Augen haben wollen, wenn wir unser Weihnachtsfest feiern?

Ich will Ihnen Ihr Fest nicht verderben, wirklich nicht. Aber ich lade Sie ein, bei allem Feiern und Schenken die Augen offen zu lassen für die Not dieser Welt, vor Ihrer Haustüre und weiter weg. Jesus Christus ist nicht ohne Grund bei den Ärmsten geboren und nicht in einem Palast. Denn er kann nur zu mir in mein Herz kommen, wenn ich es ganz leer mache.

„Wie soll ich dich empfangen“?
fragt das bekannte Adventslied und antwortet:

 

Als mir das Reich genommen,
da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen
und hast mich froh gemacht.

Ich lag in schweren Banden,
du kommst und machst mich los;
ich stand in Spott und Schanden,
du kommst und machst mich groß
und hebst mich hoch zu Ehren
und schenkst mir großes Gut,
das sich nicht lässt verzehren,
wie irdisch Reichtum tut.

Es grüßt Sie Ihr
Johannes Häselbarth