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Andacht im Kirchboten (Ausgabe Oktober/November 2008)

Liebe Gemeinde,

zum Reformationsfest am 31. Oktober richten wir unseren Blick wieder besonders auf Martin Luther. Wo immer wir von ihm hören und lesen, taucht auch die Lutherrose auf, die Sie vorne auf der Titelseite sehen. Er hat sie selber entworfen und als Siegel für seine Briefe verwendet. Kreuz, Herz, Rose, Ring – sind auf den ersten Blick schon zu erkennen. Ganz bewusst hat Luther diese Zeichen und Symbole samt den Farben ausgewählt, um auf engstem Raum darzustellen, was ihm für seinen Glauben das Wichtigste ist. Wie ein "Kleiner Katechismus" in Bildform kommt mir die Lutherrose vor."Das erste sollte ein Kreuz sein – schwarz...", so schreibt er einem Freund. Das Kreuz steht im Zentrum und erinnert daran, dass "der Glaube an den Gekreuzigten uns selig machet". Das Kreuz ist nicht etwas niedliches, kein goldiges Schmuckstück. Das betont Luther mit der Farbe Schwarz. Tod, Schmerz und Grausamkeit sind mit dem Kreuz verbunden.Wie kann ich vor Gott bestehen, wie kann ich ihm nahe kommen? Diese Frage hat Luther beschäftigt, ja gequält.Und er hat erkannt: Nicht weil wir Menschen so gut und fromm sind, nicht weil wir Gott etwas bieten oder vorweisen können, nimmt er uns an. Nein, allein weil Gott barmherzig ist, können wir vor ihm bestehen. Nicht wir müssen zu ihm kommen, er kommt in Jesus Christus zu uns. Er kommt uns nahe, nicht weil wir so gut und liebenswert sind, sondern weil er uns liebt. Die Liebe Gottes zu uns ist so groß, dass sie auch Schmerz und Leid, ja auch den Tod in Kauf nimmt. In seiner Liebe geht Jesus bis ans Kreuz. Das einzige, was wir da noch tun können, ist, dass wir Gottes Liebe annehmen und darauf vertrauen.Und damit sind wir beim Herz, das rot ist. Das Kreuz – obwohl schwarz - tötet nicht, "sondern erhält lebendig". Nicht klein machen, nicht einschüchtern soll uns das Kreuz. Die frohe Botschaft von Jesus Christus hilft uns zum Leben.Für mich hat das Herz noch eine Bedeutung. In unserem Glauben kommt der Verstand an seine Grenzen. Letztendlich können wir nur mit dem Herzen "verstehen", was Gott uns in Jesus schenkt. Ein anderes Wort für "glauben" ist "vertrauen". Vertrauen kann ich nicht mit dem Verstand, sondern nur mit dem Herzen.Das Herz steht inmitten einer weißen - nicht einer roten – Rose. Weiß erin-nert uns an die Freude, den Trost und den Frieden, den uns der Glaube geben will. Weiß ist die Farbe aller Engel, so Luther.Der Hintergrund der Rose ist himmelblau. Luther sagt dazu:

"Eine solche Freude im Geist und Glauben ist ein Anfang der himmlischen Freude zukünftig."

Umschlossen wird alles von einem goldenen Ring. "Solche Seligkeit im Himmel währt ewig und hat kein Ende und ist köstlich wie das Gold, das edelste köstliche Erz ..."

Ein wenig von dieser Seligkeit dürfen wir schon hier auf Erden erleben.Das ist Luthers und meine Deutung der Lutherrose. Sicher haben Sie noch ganz andere Ideen dazu. Vielleicht kann Ihnen die Lutherrose eine Anregung sein, zu überlegen, was Ihnen im Glauben ganz wichtig ist. Und vielleicht haben Sie Lust, Ihren eigenen ganz persönlichen "Katechismus" in Bildform zu entwerfen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihre Entwürfe zeigen würden.

Es grüßt Sie Ihre Pfarrerin Andrea Möller

 

Übrigens: Am 21. September wurde in Wittenberg die Lutherdekade eröffnet. Vor 500 Jahren kam Martin Luther nach Wittenberg, um dort sein Theologiestudium fortzusetzen. Die Lutherdekade soll an den Beginn der Reformation im Jahr 1517 erinnern. Bis zum Jahr 2017 will sie in vielen Veranstaltungen an das Reformationsjubiläum heranführen.