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Predigt vom 18.01.2009 (2. Sonntag nach Epipanias)

Liebe Gemeinde,
Jesus feiert mit auf einem Hochzeitsfest in Kana!

Ein Fest, das man damals gar nicht so sehr anders feierte, als wir das heute tun. Auch damals hatte man vorher alles organisiert, das Essen, die Musikanten. Freunde und Verwandte waren eingeladen. Alles sollte klappen an diesem Fest. Fröhlich saßen sie nun zusammen, und das nicht nur einen Tag hindurch, sondern eine ganze Woche. Schön gekleidete Hochzeitsgäste, das Brautpaar, die Brauteltern, Musik spielte.Wie geht es Ihnen, wenn Sie an diese Hochzeitsgesellschaft denken?
Ich zumindest hätte Lust zum Mitfeiern. Ich hätte Lust, ausgelassen  zu sein und fröhlich, das gute Essen und Trinken zu genießen.Aber bei einer Sache habe ich ein wenig Schwierigkeiten:
mir Jesus vorzustellen inmitten dieser Festgesellschaft, vielleicht sogar lachend, ausgelassen, als fröhlichen Hochzeitsgast und mit einem Weinbecher in der Hand. Das will nicht  so recht passen in mein Bild von dem Herr, in dessen Namen wir heute hier zusammengekommen sind.Immerhin:
Ich stehe mit diesen Schwierigkeiten nicht allein da. Schon zu Jesu Lebzeiten haben sich Leute daran gestoßen, dass Jesus nicht asketisch lebte und sich nicht von der Welt zurückzog. Viele andere religiöse Persönlichkeiten hatten das nämlich so getan.Auch Johannes der Täufer. Er hat einen Trennungsstrich gezogen zwischen sich und der Welt. Sichtbar war dies an seiner Kleidung, an seiner Nahrung: 
Er war bekleidet mit Kamelhaaren und mit einem ledernen Gürtel um seine Lenden und aß Heuschrecken und wilden Honig.
so heißt es im Markusevangelium.
Johannes führte seine Jünger in die Einsamkeit der Jordansteppe, damit sie dort, sozusagen in einem  „heiligen Bezirk“ außerhalb der Welt, beten und fasten, ein frommes und asketisches Leben führen konnten.Unmittelbar vor unserem Predigttext wird erzählt von den ersten Jüngern, die sich an Jesus angeschlossen haben. Sie kamen alle aus der Gefolgschaft von  Johannes dem Täufer. Für sie war es sicher überraschend, dass der lang ersehnte Messias sie weg von dem heiligen Bezirk der Steppe - zurück in die ganz menschliche Sphäre geführt hatte.
Mitten hinein in den Trubel einer Hochzeit. Gleich am Anfang von Jesu Auftreten mitten hinein in die menschliche Freude.Damit ist gleich zu Beginn von Jesu Wirksamkeit klar:
Eine Trennung zwischen göttlichem und menschlichem Bereich gibt es nicht mehr. Die Herrschaft Gottes schließt alle Bereiche des menschlichen Lebens mit ein. -Zurück zu Jesus.
Können wir ihn uns vorstellen als fröhlichen lachenden, trinkenden, tanzenden Gast auf der Hochzeit?Passt das zu unserer Vorstellung vom Sohn Gottes?
Vielleicht nicht immer.
Warum ist das so?Ich glaube, wir tun uns deshalb so schwer, Jesus als den Mitfeiernden, als den Weintrinker vorzustellen, weil auch in unserem Leben Trennungslinien vorhanden sind. Trennungslinien, die unseren Tagesablauf teilen in einen göttlichen und einen weltlichen Bereich.
Wenn wir uns einmal diesen Sonntag betrachten und alles, was wir heute tun, dann ist es doch oft so, dass wir das in ein Raster mit zwei Bereichen einordnen:
Den Gottesdienst und das Tischgebet in den Göttlichen, den Sonntagsausflug und das gute Glas Wein dagegen in den weltlichen.
Und wenn wir unsere Zeit aufteilen in die zwei Bereiche, dann merken wir auch, dass der weltliche einen viel größeren Zeitraum einnimmt.
Das macht uns vielleicht ein schlechtes Gewissen und wir haben das Gefühl:
Gott gehört zum größten Teil meines Lebens nicht mit dazu.Wenn wir das nun konsequent weiterdenken, könnte der Gedanken kommen:
Im größeren Teil unseres Lebens ist Gott nicht mit dabei. Und wenn man das nun nochmals weiterdenkt, dann könnte man zum dem Schluss kommen:
im größten Teil meines Lebens sind wir gottverlassen.In solche Gedanken, in diese Situation will uns die Geschichte von der Hochzeit zu Kana zurufen:Überall, bei Festen und Feiern, im Gottesdienst, bei allem, was wir Menschen tun, sind wir umgeben von der Liebe und Fürsorge Gottes. Deshalb brauchen wir auch nicht flüchten vor der Welt, um mit Gott in Kontakt zu kommen. Sondern wir können uns freuen in und an der Welt in dem Wissen: Gott ist bei  uns.Jesus feiert mit auf einem Hochzeitsfest in Kana, das heißt für uns: Jesus geht mitten hinein in die Welt, zu uns Menschen mit all unserer Menschlichkeit.Jesus feiert nicht nur mit auf der Hochzeit, sondern er handelt auch, er verwandelt Wasser in Wein und offenbart dadurch seine Herrlichkeit zum ersten Mal.Vielleicht haben sie vorhin beim Verlesen des Evangeliums gedacht:
Eine faszinierende Geschichte, wirklich toll. Aber wer weiß, ob das jemals so passiert ist? Heute passiert so ein Wunder gar nicht mehr. Obwohl wir’s auch nötig hätten. Es braucht ja nicht gerade Wein zu sein. -Aber wir können lange warten, bis Jesus so ein Wunder bei uns tut. Der Wundertäter von Kana zeigt sich bei uns nicht mehr.Wenn wir in unserem Predigttext nachlesen, fällt uns auf, dass von einem Wunder keine Rede ist.
“Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat“ (V 11), heißt es da.Von einem Zeichen will uns also der Evangelist Johannes berichten, von einem Zeichen und nicht von einem Zaubertrick. Das, was uns sehr interessiert, nämlich wie es dazu kam, dass aus Wasser plötzlich Wein wurde, das was am Geheimnisvollsten ist, das klammert der Evangelist ganz aus. Ein Zeichen ist es.Zeichen hat etwas mit Zeigen zu tun. Ein Zeichen zeigt auf etwas hin. Wie ein Verkehrszeichen, das seinen Sinn nicht in sich hat, sondern auf etwas hinzeigt. Etwa auf die nächste Stadt, in deren Richtung wir fahren.
So hat die Verwandlung von Wasser in Wein ihren Sinn nicht in sich, sondern sie will auf etwas hinzeigen und zwar auf das Heil, das in Jesus erschienen ist, ja endgültig erscheinen wird, wenn seine Stunde gekommen ist, wie es im Joh. immer wieder heißt. Indem Jesus Wasser in Wein verwandelt, wird vorläufig und in der Vorausschau etwas deutlich von der Herrlichkeit Gottes, die in Jesus erschienen ist. Die Herrlichkeit, die uns die Freude bringt.Damit ist klar:
Wir haben es bei der Hochzeit zu Kana nicht mit einer flüchtigen Episode zu tun, sondern es ist ein erstes Zeichen auf das Reich Gottes hin.
Und im Reich Gottes ist die Herrlichkeit Gottes nicht nur wie in der Geschichte vorläufig und ist auch nicht nach 600 Litern Wein erschöpft, sondern da geht die Festtagsfreude nie zu Ende.
Auf das Reich Gottes weist das Zeichen hin.Ein Zeichen kann man übersehen. Wie auch ein Verkehrszeichen manchmal von uns gar nicht wahrgenommen wird. Vielleicht, weil es an einer ungünstigen Stelle steht, hinter einer Hecke, oder weil wir zu schnell gefahren sind und mit unseren  Gedanken ganz wo anders waren.
Das Zeichen, das Jesus auf der Hochzeit zu Kana tat, ist von Vielen übersehen worden. Obwohl es inmitten vieler Menschen geschehen ist.Sogar die Leute, die unmittelbar beteiligt waren an der Ausführung der Befehle Jesu, die Diener, die Leute, die handelten und mit Jesu Hilfe das Zeichen vollbrachten, erkannten nicht, was vor sich ging.
Die Diener merkten nichts von der Herrlichkeit Gottes, die sich in ihren Handlungen offenbart.
Sie können sich wahrscheinlich einfach nicht vorstellen, dass durch ihre einfachen Handgriffe, durch das Füllen der Krüge, durch Schöpfen und Herbeibringen so etwas Großes zustande kommen kann. Und weil sie sich das nicht vorstellen können, sehen sie das Zeichen nicht, das Jesus an ihnen tut.Auch der Speisemeister merkt nichts von der Offenbarung Jesu. Er sucht nach einer realistischen Erklärung. Er glaubt, dass der Bräutigam den guten Wein zurückgehalten hat. Er merkt nichts von der Herrlichkeit und dem Zeichen Jesu.Da sind dann noch das Brautpaar und die Gäste:
Von ihnen wird überhaupt nichts berichtet. Sie sind wahrscheinlich froh, dass das Fest weiterläuft. Woher der Wein plötzlich wieder kommt, danach fragen sie gar nicht.Bei dieser Aufzählung wir deutlich:
Wir selber sind Diener, wir sind Speisemeister, wir sind Brautpaar und Gäste. Denn auch wir erkennen die Herrlichkeit Gottes in unserem Leben oft nicht. Wir bemerken sie nicht, die Zeichen, die Jesus in unserem Leben tut.
Wir sind Brautpaar und Gäste. Denn wir sind froh, wenn es uns gut geht und alles so läuft, wie wir es uns vorstellen. Wir fragen nicht danach, wem wir das alles zu verdanken haben.Wir sind Speisemeister:
Wir suchen nach realistischen Erklärungen. Wir sagen:
Wenn wir Erfolg haben im Beruf, dann doch nur deshalb, weil wir uns anstrengen. Und vergessen dabei ganz, dass Gott uns Geist und Körper gegeben hat, mit dem wir arbeiten können.Wir sind die Diener:
Wir erwarten großartige Wunder und übersehen dadurch die Zeichen Jesu, die sich in der Alltäglichkeit vollziehen. Nur die Jünger glaubten an Jesus an dem Hochzeitsfest in Kana, nur ihnen ist das Zeichen Jesu aufgeleuchtet. Für sie war es ein großes, wunderbares Zeichen, dafür, dass dort, wo Jesus ist, die Herrlichkeit, die Freude ist. In diesem Augenblick haben sie das erkannt.So kann uns diese Geschichte zu einer Einladung werden, in unserem Leben die Zeichen von Jesu Herrlichkeit zu  entdecken und dadurch zu Glaubenden, zu Jüngern, zu werden.
Wenn das geschieht, dann geht es nicht mehr um die Offenbarung von Jesu Herrlichkeit im fernen Kana, sondern um die Offenbarung, die heute und täglich bei uns geschieht.Dazu möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte von einem Mann, der zunächst blind war für das Zeichen Jesu in seinem Leben. Blind sogar für so ein großartiges Zeichen Jesu, wie das von der Hochzeit zu Kana, das er an sich selber erleben durfte.Diese Geschichte handelt von einem belgischen Bergmann, der jeden Abend in der Kneipe verbrachte. Am liebsten trank er Wein. Er war ein Alkoholiker. Schließlich war er so verschuldet, dass der Gerichtsvollziehen alle seine Möbel verpfändete, seinen Schrank, seinen Fernseher, sein Sofa, alles, was er hatte. Wenn er so weitergemacht hätte, wäre er elend zugrunde gegangen.
Eines Abends schleppte ihn ein Nachbar in eine Evangelisation. Er wurde von der Predigt so gepackt, dass er sich bekehrte. Er beschloss, nichts mehr zu trinken. Das klappte nicht sofort. Aber nach einigen Rückfällen wurde er ganz frei von seiner Trinksucht. Jetzt ging es mit ihm aufwärts. Engen Kontakt hielt er zur Gemeinde.Doch seine Frömmigkeit brachte ihm neue Schwierigkeiten. Seine Kumpel hänselten ihn. Das machte ihn fuchsteufelswild, besonders, wenn er auf ihre bösen Späße nichts zu antworten wusste. Einmal spotteten ein Kollege:
“Bist du denn so dumm, dass du glaubst, Jesus hätte Wasser in Wein verwandelt?“
Auf diesen Einwand war er nicht gefasst. Er hatte diese Geschichte auch schon gehört. Am Abend daheim sucht er sie in der Bibel und las. Als er fertig war, schaute er zweifelnd und ratlos drein. Diese Geschichte kam ihm reichlich merkwürdig vor. Wenn er sich diese Hochzeit  von Kana in seiner Kneipe vorstellte, wo er früher Stammgast war, dann musste er beinahe lachen. Dass Jesus so etwas gemacht hatte, konnte er kaum glauben.
Am nächsten Sonntag ging er in die Kirche. Am Schluss wartete er auf den Pfarrer und fragte ihn um Rat:
“Herr Pfarrer, muss man denn, wenn man Christ ist, auch glauben, dass Jesus Wasser in Wein verwandelt?“
Der sah ihn eine Weile an, dann sagte er:
“Vielleicht verwandelt er heute nicht mehr Wasser in Wein. Bei dir jedenfalls hat er Wein in Möbel verwandelt!“
In diesen Augenblick ist unserem Bergmann ein Zeichen Jesu in seinem Leben sichtbar geworden.Ein Zeichen, wie es auch  noch heute all denen sichtbar werden kann, die mit offenen Augen durchs Leben gehen.

Amen