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Andacht im Kirchboten (Ausgabe Mai/Juni 2009)

 Liebe Gemeinde,

zehn Tage vor Pfingsten wird uns ein Feiertag geschenkt: Himmelfahrt.

Auf die Frage, was denn an diesem Donnerstag für ein Feiertag begangen wird, antworten viele – und nicht nur Kinder: Vatertag. 

Dieser Feiertag wird wohl nie in der Gefahr sein, dass er abgeschafft wird. Zu groß wäre da der Protest, da sich in vielen Schulen und auch in vielen Firmen der Freitag nach Himmelfahrt als Brückentag eingebürgert hat und einem ein schönes langes Wochenende beschert wird. 

Die christliche Bedeutung des Festes rückt allerdings mehr und mehr in den Hintergrund. Den Gottesdienst zu Himmelfahrt feiern wir in einem kleinen überschaubaren Kreis. Grund genug, über den Himmel, in den Jesus „auffährt“ wieder einmal nachzudenken. 

Seit dem vierten Jahrhundert wird Christi Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern gefeiert. In der Apostelgeschichte wird erzählt, dass der Auferstandene vor den Augen seiner Jünger „aufgehoben“ wurde: „Eine Wolke nahm ihn auf von ihren Augen weg.“ Die Jünger sehen Jesus nach. Auf Bildern ist dieses Motiv, wie die Jünger ihren Blick nach oben, himmelwärts richten, immer wieder dargestellt. 

 

Die Vorstellung, dass der Himmel oben ist, gab es aber nicht nur vor knapp 2000 Jahren. Wenn wir gefragt werden, wo Gott ist, antworten wir „im Himmel“ und deuten oft automatisch nach oben. 

Was ist das für ein Himmel und wo ist dieser Himmel? Himmel scheint nicht gleich Himmel zu sein.

 

Aufschlussreich ist die englische Sprache, in der es zwei Bezeichnungen für Himmel gibt: „sky“ und „heaven“. 

Sky meint den sichtbaren Himmel mit Sonne, Mond, Sternen, Wolken und Weltall, den wir mit naturwissenschaftlichen Methoden  erforschen können. Dieser Himmel hat mit der Himmelfahrt Jesu wenig zu tun, auch wenn wir uns in unserer Vorstellung oft Bilder aus diesem Himmel „ausleihen“. 

 

Heaven ist der andere Himmel, wo Gott ist. 

Dieser „Heaven-Himmel“ begegnet uns nicht nur in der Bibel, sondern auch in weltlichen Liedern, in der Werbung, ja überall. 

Ganz oft stellt die Werbung den Himmel in Aussicht, verspricht ihn, wenn man dieses oder jenes Produkt kauft, isst, trinkt. Sie geht damit sehr geschickt auf Bedürfnisse und Wünsche des Menschen ein, wenn sie z.B. ein himmlisches Vergnügen anpreist oder den Himmel auf Erden verspricht. 

Hier geht es nicht nur um die Befriedigung von kulinarischen Bedürfnissen. Hier wird ganz geschickt auf eine Sehnsucht, die jeder Mensch hat, eingegangen, die Sehnsucht, dass ich geliebt werde, dass ich heil bin, dass diese Welt heil ist. 

Diese Sehnsucht sprechen auch viele Lieder an. Da, wo zwei Menschen sich von Herzen lieben, da erleben sie den Himmel auf Erden, manchmal sind sie sogar im siebten Himmel. 

 

Es geht aber nicht nur um die Liebe zwischen Mann und Frau. Jeder Mensch fühlt sich wie im Himmel, wenn er angenommen und geliebt wird, wenn er sich geborgen fühlt.

 

Und genau das ist der Himmel, der in der Bibel gemeint ist.

Bei Gott im Himmel, da werden Menschen angenommen und geliebt. Bei Gott da sind Menschen geborgen.

 

An Himmelfahrt feiern wir, dass Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung ganz zu Gott gegangen ist und mit Gott, dem Vater, Herr über Himmel und Erde ist. Jesus ist nicht in den Himmel weggegangen, sondern er ist gen Himmel gefahren, um bei uns zu sein alle Tage bis an der Welt Ende.

„Himmlische Erfahrungen“ hier auf Erden, gibt es die für uns?
Ja, die gibt es für uns, weil wir hier von Jesus geliebt werden. Und weil hier auf Erden schon Menschen in Jesu Geist leben und handeln.

Einen schönen „Himmelfahrtstag“ wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Andrea Möller