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KV-Wahl 2018

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Andacht im Kirchboten (Ausgabe August/September 2009)

Liebe Gemeinde,

kennen Sie die Büchertrilogie „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien? Es gibt da eine tragische Figur, die Gollum heißt. Eigentlich entstammt er einem netten Völkchen, das an einem Fluss lebt. Als er mit einem Freund angeln geht, findet dieser einen goldenen Ring, in den ein Teil der Boshaftigkeit eines finsteren, dämonischen Herrschers gebunden ist. Gollum ist von Anfang an von diesem Ring besessen. Er geht sogar soweit, dass er seinen Freund kurzerhand ermordet, um an diesen Ring - seinen Schatz - zu kommen. Daraufhin wird er von seinem Volk verstoßen und flüchtet in eine dunkle, nasse Höhle, in der er sein Leben fristet. Beherrscht von nur einem einzigen Gedanken, seinen Schatz zu beschützen und zu bewahren. Er ist schließlich nur noch eine Art Schatten seiner selbst, ausgemergelt, verändert und boshaft.

 

Warum unternehme ich mit Ihnen einen Ausflug in die Fantasiewelt? Nun, das liegt am Monatsspruch für September:


Ich denke, viele von uns haben ein bisschen was von Gollum in sich. Seien wir doch einmal ganz ehrlich, was haben wir denn für „Schätze“ in unserem Leben? Woran hängt unser Herz? Der oder die Eine wird sagen: „Meine Partnerin, meinen Partner, die Kinder, Gesundheit.“ Aber stimmt das immer?

Wenn wir wirklich überlegen, wo ist unser Herz, müssten viele Millionen Menschen zugeben - und das ist kein Phänomen, das nur Jugendliche betrifft: mein Schatz ist mein Computer. Spielen und stundenlang, tagelang vor der Kiste sitzen. Freunde, Familie und Sozialkontakte nach außen werden vernachlässigt. Viele verlieren sogar den Bezug zum wirklichen Leben.

Oder die Mär von der Arbeit! „Ihr wisst doch, ich muss arbeiten, damit wir uns etwas leisten können. Ich bin wenig zu Hause, aber dafür habt ihr ja...!“ Wie ist das mit dem Erfolg, der Anerkennung, der Macht? Auch hier kann das Herz hängen bleiben. Auch das kann zum Schatz werden, der mein Leben reich, mich gierig und blind für alles andere macht. Mit 50 Jahren der erste Herzinfarkt. Ob das die Familie wirklich gewollt hat? Na ja, zumindest haben alle Designerkleidung.

Oder der „Fan – atismus“, den viele ihren Idolen aus der bunten Medienwelt entgegenbringen. Da muss alles hinten anstehen, nur das Vergöttern ist wichtig. Ich denke an Michael Jackson, der sicher ein großer Musiker war, aber es sterben täglich viele Menschen, die mehr aus ihrem Leben, gerade für andere, gemacht haben, und um die kein Hahn weiter kräht.

Partnerschaft und Familie können ein schwieriger Schatz sein. Dann, wenn ich nur für die Partnerin oder den Partner und die Kinder da bin, mein Herz an sie hänge und mich selbst vergesse. Ich erlebe es bei Gesprächen immer wieder. Sind die Kinder aus dem Haus, der Ehepartner verstorben, was dann...?

Ich könnte noch viele Beispiele anfügen. Wie ist das mit unseren Schätzen? Gollum wird der Ring gestohlen und somit seine Lebensgrundlage genommen, er ist verzweifelt, hat aber nichts anderes.

Es ist nichts Anrüchiges, dass wir uns Schätze suchen, an die wir unser Herz hängen: Es fragt sich nur: Wie intensiv lasse ich das zu? Haben andere Dinge daneben noch Raum? Sind meine Schätze tatsächlich Schätze?

Wir haben einen Schatz, bei dem es sich wirklich lohnt, sein Herz hin zu hängen – Jesus Christus. Er ist da, auch wenn ich feststelle: Meine Computerwelt ist eigentlich nur Schein. Mein Erfolg, meine Macht, die ich habe, kann von einem Augenblick zum anderen vergehen. Menschen, die ich glorifiziere, sind genauso fehlerhaft wie ich selbst. Und auch die Menschen, mit denen es mir geschenkt ist, meinen Weg in Liebe verbunden zu gehen, können irgendwann einmal nicht mehr da sein.

Jesus Christus ist ewig, er begleitet uns vom ersten Tag unseres Lebens bis hin zur Schwelle des Todes und darüber hinaus. Natürlich braucht es dazu eine Beziehung. Von ihm aus ist sie geknüpft, aber von meiner Seite ist es wie mit jedem Schatz: Ich muss mir dafür Zeit nehmen, mich darum kümmern. Woran hängt Ihr Herz? Was sind Ihre Schätze?

Herzlich grüßt

Ihr Diakon Jörg Peter Walter