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KV-Wahl 2018

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Andacht im Kirchboten (Ausgabe Oktober/November 2009)

Liebe Gemeinde,

wie gehen wir mit dem Tod um, der zu unserem Leben dazu gehört?
Denken wir, er kommt noch früh genug, was sollen wir uns dazu jetzt schon Gedanken machen? 
Oder meinen wir, der Tod ist ein Betriebsunfall, der eigentlich nicht sein dürfte? Und wenn er einem dann doch irgendwie begegnet,  sollte man ihn diskret übergehen, nicht viel Aufhebens darum machen und möglichst schnell zur Tagesordnung zurückkehren.
Oder fügen wir uns ganz fatalistisch, weil wir einsehen, dass es unabwendbar ist, dass wir sterben müssen?
Aus der sicheren Entfernung heraus können wir uns relativ entspannt und emotionslos Gedanken zum Tod machen oder auch den Gedanken daran vermeiden.
Ganz anders wird die Begegnung mit dem Tod ausschauen, wenn er direkt und unausweichlich in unser Leben tritt. Sei es, dass wir von einem lieben Angehörigen Abschied nehmen müssen. Sei es, dass wir dem Tod ins Auge sehen müssen, weil wir durch eine Krankheit, durch einen Unfall am eigenen Leib erfahren, dass unser Leben begrenzt ist und wir Abschied vom Leben und von dieser Welt nehmen müssen.
Zugegeben, das ist nicht leicht; hängen doch die meisten von uns – ich auch – mit ganzem Herzen am Leben auf dieser Welt, auch wenn es nicht nur schöne und heitere Stunden für uns gibt.
Das Leben ist ein Geschenk Gottes an uns und wie anders sollte man mit einem Geschenk umgehen, als dass man sich daran freut, daran hängt und darauf achtet, dass es einem möglichst lange erhalten bleibt?
Und wie ist es nun mit dem Tod? Der Tod setzt unserem Leben hier auf Erden ein Ende, das ist nicht zu bestreiten.  Das ist aber noch nicht alles. Als Christen haben wir noch mehr dazu zu sagen. Wir müssen den Tod nicht als blindes Schicksal stoisch hinnehmen, sondern wir haben ihm etwas entgegenzusetzen.
Wir glauben daran, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Wir glauben an die Auferstehung der Toten. Und Glauben heißt nicht, dass wir denken, es könnte so sein (aber vielleicht ist es doch auch anders). Für Glauben sagen wir besser: wir vertrauen. Wir vertrauen darauf, dass Gott uns nicht dem Tod überlässt. Der Monatsspruch für den November ...  

„Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen."
(1. Thessalonicher 4, 14)

... drückt es so aus:
Gott wird unsere Verstorbenen und uns nach unserem Tod zur Herrlichkeit führen. So wie Jesus Christus von den Toten auferweckt wurde, so wird Gott auch uns auferwecken. Nicht der Tod hat das letzte Wort über uns, sondern Gott und er will, dass wir mit ihm leben in Ewigkeit. Mit dem Tod ist eben nicht alles aus. Die Herrlichkeit Gottes erwartet uns. Das ist unsere Hoffnung, unsere Zuversicht.
Wie es in Gottes Herrlichkeit, die kein Aug’ je gesehen hat, sein wird, davon erzählt uns die Bibel in vielen Bildern, um uns eine Ahnung zu geben, dass wir dort gut aufgehoben sind. Das, was uns hier auf Erden das Leben schwer macht, gibt es dort nicht. In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen, so sagt Jesus. Wo ich wohne, bin ich zu Hause, da bin ich vertraut und geborgen.
Welche Vorstellung vom ewigen Leben Ihnen wohl wichtig ist?
Wir brauchen die Bilder, aber eigentlich übersteigt das ewige Leben unsere Vorstellungskraft und wir können letztendlich nur sagen, dass es unbeschreiblich ist, einfach herrlich.
Es ist wichtig, dass wir uns als Christen immer wieder auf unsere Hoffnung besinnen. Das hilft uns mitten im Leben. Das hilft uns, mit dem Tod umzugehen, ihn nicht auszuklammern oder wegzuschieben und auch nicht in Angst vor ihm zu erstarren. Die Hoffnung gibt uns Freude und Gelassenheit fürs Leben und auch Gelassenheit für den Tod.
Die Freude hat früher im Osterlachen einen ganz besonderen Ausdruck gefunden. Der Tod wurde ausgelacht, weil Jesus nicht im Tod geblieben ist, sondern auferstanden ist. Der Tod hat gegen Gott verloren. Und der Tod wird nie mehr Sieger sein, auch bei uns nicht.
An Ostern, am Ende des Kirchenjahres und natürlich auf Beerdigungen werden wir ganz besonders an unsere Hoffnung erinnert. Auch mit unseren Konfirmanden denken wir bei einem Konfirmandentag am Samstag vor dem Ewigkeitssonntag darüber nach. Wir gehen auf den Friedhof und schauen, wo uns dort, z.B. auf Grabsteinen, Hoffnung begegnet.
Unter dem Motto "Leben jetzt. Und ewig" will das Dekanat im nächsten Jahr bei Menschen, die der Kirche nahe stehen, und auch bei Kirchenfernen die Hoffnung auf die „Auferstehung der Toten“ wieder mehr in den Blick rücken.
Dahinter steht das Anliegen, das Gespräch darüber zu beleben bzw. in Gang zu bringen.

Einen guten Herbst wünsche ich Ihnen. Mögen Sie auch jetzt in der dunklen Jahreszeit von Hoffnung und Zuversicht getragen sein.

Ihre Pfarrerin
Andrea Möller