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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Juni/Juli 2013

Liebe Leserinnen und Leser!

 Jedes Mal wenn ich unsere Auferstehungskirche betrete, bin ich von neuem beeindruckt von dem großen Kruzifix, das so groß und unübersehbar über unseren Köpfen thront. Bei jedem Gottesdienst hängt er, der gekreuzigte HERR Jesus Christus, mitten im Zentrum des Geschehens – ganz still und leise und doch so präsent.
Gelockt von diesem Gedanken sehe ich mir das Kruzifix einmal genauer an: Schlaff und müde wirkt sein Gesichtsausdruck auf mich. Seine Wangen sind zusammengefallen. Sein Kopf ist leicht nach vorne geneigt. Seine Knie sind gebeugt. Deutlich ist er gezeichnet von Folter und Leid. Doch trotz allem strahlt seine ganze Erscheinung auf geheimnisvolle Weise eine kraftvolle Entschlossenheit aus. Da fällt mein Blick auf den rechten Balken unserer Kirchendecke und ich erahne, woher das kommen mag:

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Johannes 14,6)

 In den Medien und auch unter Theologen wird momentan heftig diskutiert, ob ein Gottesbild, in dem Gott seinen Sohn ans Kreuz schickt, heute noch tragfähig ist. Auch das neue Buch von Pfarrer und Karikaturist Tiki Küstenmacher mit dem Titel "Gott 9.0" fragt so und kommt zu dem Schluss, dass sich Gottesvorstellungen im Verlauf der Zeit stufenweise weiterentwickeln. Kann oder darf in unserem Gottesbild dann das oftmals als archaisch deklarierte Kreuz überhaupt noch eine Rolle spielen?
Für mich persönlich ist ein christliches Gottesbild, in dem das Kreuz keinen Platz mehr hat, undenkbar:
Im Zeichen des Kreuzes erkenne ich den Weg, wie ich meinen Glauben gestalten kann – Christus zeigt ihn mir und ist ihn vor mir in Freud und Leid gegangen. 
Im Zeichen des Kreuzes kann ich mir die Wahrheit über mich eingestehen, über meine Fehler und Schwächen – Christus, der als wahrer Mensch mitten unter uns Menschen gelebt hat, versteht sie und steht zu mir.
Im Zeichen des Kreuzes erinnere ich mich an meine Taufe: In Christus, der als wahrer Gott den Tod überwunden hat, hat Gott JA zu mir gesagt und mir das ewige Leben geschenkt.

CHRISTUS SPRICHT: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Johannes 14,6)

Wenn wir uns unter unserem Kruzifix in der Auferstehungskirche versammeln und den Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes beginnen, bekreuzige ich mich. Durch dieses äußere Zeichen will ich mir besonders bewusst machen, dass ich zu dem gekreuzigten und auferstandenen HERRN Jesus Christus gehöre, der ganz still und leise im Zentrum des Geschehens steht. Und ich bete dafür, dass er präsent ist, um uns ALLEN in Gebeten, Liedern und den Worten der Bibel, den Weg, die Wahrheit und das ewige Leben zu zeigen.

Und so freue ich mich auf noch viele Begegnungen mit Ihnen im Zeichen des Kreuzes!

Ihre Vikarin Romina Rieder