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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Jan/Feb 2013

Liebe Gemeinde,

 

bei den Worten der diesjährigen Jahreslosung fällt mir eine Frau ein, die im Altenheim immer mit Mantel und Handtasche unterwegs war. Auf die Frage, wo sie denn hingehe, erklärte sie: „Ich will heim in die Knesebeckstraße. Aber ich kann den Weg nicht finden. Können Sie mir helfen?“ Für einen Moment ist sie stehen geblieben und hat von ihrem Haus und ihrem Geschäft in der Knesebeckstraße erzählt. Da war sie aufgewachsen, ihre Eltern hatten da ein Geschäft geführt, das später sie übernommen hatte. Dort hatte sie ihre Kinder großgezogen und eine erfüllte und schöne Zeit verlebt. Aber schon nach einem kurzen Gespräch wurde sie unruhig, wollte weiter und hat sich wieder auf die Suche nach ihrem Zuhause gemacht. Das aber war im fernen Berlin. Manchmal habe ich sie ein Stück begleitet. Es tat mir leid, dass ich ihr in ihrem Heimweh nicht helfen konnte.

 

Diese Frau - sie ist nun schon eine ganze Weile verstorben - hat den Ort gesucht, wo sie hingehört und daheim ist. Die Sehnsucht nach so einem Ort gehört zu uns Menschen, ob wir alt oder jung, krank oder gesund, arm oder reich sind. Wenn wir diesen Ort nicht finden können, dann wird die Sehnsucht zum Heimweh. Auf unserem Weg durchs Leben bauen wir uns vieles auf; wir gründen Familien, schließen Freundschaften, errichten Häuser. Wenn wir Beständigkeit erleben, ist unsere Suche nach einer Heimat, wo wir uns geborgen fühlen und in Sicherheit sind, für einen Moment am Ziel angekommen. Aber ein Leben lang machen wir die Erfahrung, dass nichts Bestand hat auf dieser Erde, sondern alles vergeht, auch das, wo wir uns daheim fühlen, auch die Menschen, bei denen wir uns geborgen fühlen. Und auch wir vergehen.

 

Unsere Jahreslosung spricht von der „zukünftigen Stadt“. Diese „zukünftige Stadt“ ist nicht irgendwo auf einem fernen Kontinent und unerreichbar für uns. Sie ist bei Gott. Bei ihm ist unsere Heimat und sie vergeht nicht, sondern hat Bestand. Gott selber baut die „zukünftige Stadt“ und das gibt uns die Gewissheit, dass dort nichts mehr sein wird, was uns das Leben hier auf Erden oft schwer macht: keine Krankheit, kein Leid, keine Sorgen und auch kein Tod. In der „zukünftigen Stadt“ werden wir all unsere Lieben wiedersehen und auch die, mit denen wir auf der Erde nicht zurecht gekommen sind, werden da sein. Aber wir werden nicht aufs Neue mit ihnen streiten, sondern in Frieden beieinander sein. In dieser Stadt haben wir einen Platz, den wir uns nicht erst erobern müssen. Wir haben dort das Recht zu wohnen. Wir sind da nicht nur zu Gast, sondern da gehören wir hin und niemand kann uns aus dieser Stadt wieder vertreiben. Da wird all unsere Sehnsucht gestillt.

Es ist gut zu wissen, wohin wir unterwegs sind. Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr Gottes treues Geleit. Mögen Sie mit der Hoffnung auf die „zukünftige Stadt“ getrost und behütet durchs Leben gehen.

 

Ihre Pfarrerin

Andrea Möller

 

Ein Tag, der sagt dem andern,
mein Leben sei ein Wandern
zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne,
mein Herz an dich gewöhne
mein Heim ist nicht von dieser Zeit.
                                                                       Gerhard Tersteegen (EG 481, 5)