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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Oktober/November 2013

Liebe Gemeinde,

wie sehen wir uns als Gemeinde? Wie können wir anderen erklären, wie wir uns als Christen verstehen, nicht als einzelne, sondern in unserer Gesamtheit? Wir sind ja mehr als nur die Summe von lauter einzelnen geliebten Kindern Gottes.

Auf diese Fragen wurden sicher schon viele Antworten gegeben. Eine hat der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief gegeben. Paulus macht mit seinem Bild deutlich: Wie bei einem Körper jedes Teil, jedes Organ, jedes Gliedmaß und ein Zusammenspiel aller wichtig ist, so ist auch am Leib Christi jeder und jede wichtig und keiner ist besser oder gar mehr wert als der andere.

Auf unserer Konfirmandenfreizeit in Neuendettelsau (siehe Bericht auf Seite 24) haben wir uns ausführlich damit beschäftigt und für diese Frage sensibilisiert war mein Blick in der folgenden Zeit besonders darauf gerichtet, wer alles zum Leib Christi dazu gehört. Der bewusste Blick hat mich immer wieder ins Staunen gebracht.

Da sind zuerst einmal unsere Konfirmanden. Sicher denkt man, wenn man sie erlebt, manchmal eher an einen “Sack Flöhe” als an den Leib Christi, es ist aber ein sehr netter und interessierter Jahrgang. Schön, dass sie mit ihren Fragen, ihren Zweifeln, ihrem Elan und ihrer Jugend dazu gehören.

Aber ich darf nicht vergessen: auch wenn sie nicht so begeisterungsfähig, wenn sie im Umgang schwierig wären, dann würden sie auch zum Leib Christi dazu gehören.

Da sind unsere Jugendmitarbeiter, lauter tolle engagierte junge Leute, die etwas auf die Beine stellen und nach besten Kräften die Zeit der Vakanz der Jugenddiakonenstelle überbrücken. Von diesen jungen Gliedern am Leib Christi möchte ich mich gerne anstecken und mitreißen lassen.

Wir durften den Kindergarten Ende September einweihen und da hat man die Glieder am Leib Christi alle zusammen erleben dürfen. Krippenkinder und Kindergartenkinder, die im Einweihungsgottesdienst voller Begeisterung „Wir sind die Kleinen in der Gemeinde und ohne uns geht gar nichts“ gesungen haben, ihre Eltern und Großeltern, die vielleicht gar nicht mehr so genau wissen, dass sie zum Leib Christi dazu gehören, und die vielen, vielen Menschen, die ohne Kinder und Enkel, aber aus treuer Verbundenheit zu „ihrer“ Kirchengemeinde zur Einweihung gekommen sind.

Am Tag darauf konnte unsere katholische Schwestergemeinde das 50-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung ihrer Heilig Geist Kirche feiern. Ich bin nach unserem Gottesdienst noch dazu gekommen. Ich stand hinten in der Kirche und hatte so einen guten Überblick und habe die Menschen bewusst als Glieder am Leib Christi wahrgenommen.

Wir als Evangelische, sie als Katholiken, sind Glieder an dem einen Leib Christi.

Zwei Tage später bekam ich Besuch von Pastor Neumann, der die freikirchliche Anskar-Gemeinde leitet und dem es ganz wichtig ist, dass seine Gemeinde und wir Glieder an dem einen Leib Christi sind.

Auch wenn wir uns als unterschiedliche Konfessionen und Glaubensgemeinschaften oft schwer miteinander tun, ist es wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass wir – trotz aller Verschiedenheit – alle zum Leib Christi gehören.

Wenn irgendein Teil des Körpers leidet, dann leiden alle anderen mit.
Und wenn irgendein Teil geehrt wird, freuen sich die anderen mit,

so heißt es auch bei Paulus und das lässt mich an die Diakoniesammlung, die wir ab dem 21. Oktober durchführen, denken, wo wir nach besten Kräften versuchen, nicht beim Leiden stehen zu bleiben, sondern es zu lindern. Genau das gleiche gilt für die Sammlung „Brot für die Welt“ im Advent. Nicht nur wir in Fischbach, in Deutschland, in Europa gehören zum Leib Christi, nein, Christen in aller Welt gehören dazu. Und es sind ja nicht nur die am Leib Christi, denen wir helfen wollen. Der Leib Christi bleibt nicht bei sich stehen, sondern will ausstrahlen und auch für andere, die nicht zum Leib Christi gehören, in Not da sein.

Und noch eine Gruppe von Menschen am Leib Christi ist mir in den Blick gekommen. Am Ewigkeitssonntag gedenken wir der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres aus unserer Gemeinde, auch sie gehören zum Leib Christi. Und ich wähle hier die Gegen-wart bewusst. Die Zugehörigkeit zum Leib Christi endet nicht wie bei einer Vereinsmitgliedschaft mit unserem Tod. Auch die, die vor uns waren, auch die, die nach uns kommen und getauft sind, gehören dazu. In Christus sind wir in Ewigkeit verbunden. Es ist beruhigend, dass er - und nicht wir - es ist, der uns verbindet.

Wunderbar ist das in einem Lied ausgedrückt:

Ihr seid das Volk, das der Herr sich auserseh'n,
seid eines Sinnes und Geistes.
Ihr seid getauft durch den Geist zu einem Leib. 

So wie die Körner, auf Feldern weit verstreut,
zu einem Brote geworden,
so führt der Herr die zusammen, die er liebt. 

Es grüßt sie Ihre Pfarrerin Andrea Möller