^Zum Seitenanfang

"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Juni/Juli 2014

Die Frucht des Geistes aber ist
Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit,
Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Galater 5, 22-33

Liebe Gemeinde,

manchmal darf man sich auch einfach etwas schenken lassen, ohne dass man sich groß anstrengen muss.

Dieser Gedanke kommt mir, wenn ich die lange Liste der Früchte des Geistes lese. Das alles hätten wir gern, so wären wir gern und geben uns viel Mühe, langmütig, freundlich, gütig, treu, sanftmütig und selbst beherrscht zu sein und unseren Mitmenschen in Liebe und Frieden zu begegnen. Jeder, der sich darum bemüht, weiß, wie schwer das sein kann, gerade wenn man temperamentvoll und impulsiv ist. Mich beeindrucken besonders die Langmut, die Sanftmut und die Selbstbeherrschung. Diese drei sind mir nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Mit Schwung soll es gehen, am besten sofort. Dinge möchte ich zügig erledigen; Abwarten, etwas Liegenlassen fällt mir schwer. Das mag oft gut sein, aber nicht immer. Ich erlebe auch, dass ich mit Ungeduld nicht weiter komme und zu sehr dränge. Das ist natürlich nicht meine Absicht und ich bedauere das dann. Natürlich weiß ich, dass es oft besser ist, geduldig zu sein und sanftmütig, und so bemühe ich mich, es besser zu machen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
So wie mir in bestimmten Situationen Sanftmut und Langmut schwerfallen, mag sich so manch anderer damit abmühen, was auch als Frucht des Geistes genannt wird.

Ist es Ihnen aufgefallen:
viermal kommt in diesem kurzen Absatz das Wort „Mühe“ vor. Ja, man hat oft seine Mühe mit der Liebe, der Freude, dem Frieden, der Langmut, der Freundlichkeit, der Güte, der Treue, der Sanftmut und der Selbstbeherrschung.

Umso schöner ist es, wenn einem das alles als Geschenk in den Schoß fällt. Manchmal darf man sich auch etwas schenken lassen, ohne dass man sich groß bemühen muss.

Geschenke gibt es meistens zum Geburtstag. So auch diese Geschenke, und zwar am Geburtstag der Kirche, an Pfingsten, wo wir die Ausgießung des Heiligen Geistes feiern. In der Bibel wird uns erzählt, wie der Heilige Geist aus unentschlossenen, nicht besonders mutigen Jüngern Menschen macht, die mutig und begeistert von ihrem Glauben erzählen; so begeistert, dass viele Menschen unbedingt auch zu Jesus von Nazareth gehören wollen und sich taufen lassen. Es waren so viele, dass das als Geburtsstunde der Kirche gilt.

Der Heilige Geist ist für Wunder gut und ich glaube, er weiß wohl, welche seiner Früchte die Menschen im jeweiligen Moment am meisten brauchen. Für die Jünger war es damals Mut, für den einen kann es Ausdauer und Treue, für den anderen Langmut und Sanftmut sein.

Es ist ein großer Unterschied, ob zu einem Menschen gesagt wird: „Du musst mutig, treu, langmütig oder sanftmütig sein.“ Oder ob ihm gesagt wird: „Der Heilige Geist schenkt dir das, dass du als Christ leben kannst. Du kannst so leben.“ Die Aussicht auf die Früchte des Heiligen Geistes kann uns eine heitere Gelassenheit geben und uns vor mancher verkrampften und ergebnislosen Anstrengung bewahren.

Manchmal darf man sich auch einfach etwas schenken lassen, ohne dass man sich groß anstrengen muss. Die Frage ist, ob wir uns auch beschenken lassen.

Ein gesegnetes Pfingstfest wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Andrea Möller