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KV-Wahl 2018

KVWahl2018

"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Oktober/November 2014

Liebe Gemeinde,

waren Sie schon einmal in einem Klettergarten? Ich kann Ihnen versichern, es ist ein Erlebnis, und nicht nur ein sportliches. Auf unserer Konfirmandenfreizeit in Pappenheim waren wir in einem Klettergarten und sind zum Teil fröhlich und munter, zum Teil ein wenig ängstlich und manchmal verzagt in den Baumkronen herum geklettert, natürlich gut gesichert.

Etliche Meter über dem Boden - gefühlt sind es mindestens 30 Meter, faktisch „nur“ fünf bis maximal 13 Meter – arbeitet man sich von Baum zu Baum vor. Die Entfernungen legt man gehend zurück, wenn es irgendwelche Bretter, Balken, Netze oder Seile gibt, auf die man Halt suchend seine Füße setzen kann. Meistens kann man sich mit den Händen auch an einem Seil festhalten. Manchmal nützen einem aber die Beine auch nichts, weil man nur von seinem Gurt oder einem Seil getragen zum nächsten Baum hinüber gelangen kann.

Nach einer sehr sorgfältigen Einweisung, dem Anlegen des Gurtes und Aufsetzen des Helmes geht es los. Ja, und dann steht man unten am Fuß der Bäume und überlegt, ob das tatsächlich was für einen ist. Neugierig ist man schließlich auch und denkt sich, anschauen kann ich es mir und klettert noch recht mutig hoch. Oben auf der Plattform schaut man sich den ersten Parcours an und fragt sich: „Will ich da wirklich hinüber?“ Nein, will ich eigentlich nicht! Aber zurück geht nicht mehr, weil ich durch meine „Life-Line“, die im Drahtseil eingefädelt ist und die mich sichert, nicht überholt werden kann. Und die Blöße, dass man um Rettung durch einen Trainer bittet, der einen im Notfall jederzeit herunterholen kann, will man sich vor den Konfirmanden und vor sich selber doch nicht geben.

Wohl dem, der da Menschen um sich hat, die einem gut zureden, die einem Tipps geben, wie man am besten vorwärts kommt, die einem Mut machen und einem versichern: „Du schaffst das.“ Oder auch sagen: „Dir kann nichts passieren!“ Oder „Du kannst nicht tief stürzen. Wenn du abrutschst, dann wirst du durch deine Life-Line gehalten.“

Also, ich habe keine andere Wahl. Darum: LOS! Vor jedem Start habe ich versucht, sämtliche Bedenken über rutschiges Holz, wackelige Seile, meine zitternden Knie, die geringe Kraft in meinen Armen zu zerstreuen und mir gut zu geredet und gesagt: „Du bist gehalten!“

Schon beim zweiten Start von einer Plattform und dem Wiederholen dieses Satzes: „Du bist gehalten!“ kam mir in den Sinn, dass diese Worte auch gut in der Bibel stehen könnten. Dass wir Menschen von Gott gehalten werden und nicht tiefer fallen können, als nur in Gottes Hand, ist für unseren Glauben ganz zentral. Ob wir darauf vertrauen oder nicht, ist entscheidend dafür, wie  wir durchs Leben gehen. Da ist so manches „klitschige“ Brett, wo man ausrutschen und fallen kann, zu überwinden; mancher Schritt ins Ungewisse ist nötig, wo man nicht weiß, wie es einem auf der Wegstrecke ergehen wird. Schicksalsschläge drohen einen zu Fall zu bringen. Kann ich vertrauen, dass ich gehalten bin?

Ja, da oben in den Bäumen beim Blick in den Abgrund kommen so manche Fragen auf. Und ich habe mich auch gefragt: Wenn ich hier oben schon so misstrauisch und ängstlich und keinesfalls mutig im Klettergarten unterwegs bin, wie schaut es dann im wirklichen Leben mit meinem Vertrauen aus? Meinem Vertrauen auf mich selber? Auf Menschen? Und auf Gott?

In den Baumgipfeln konnte ich auf jeden Fall nicht so vollmundig sagen: „Ja, natürlich habe ich Vertrauen.

„Du bist gehalten!“ Diese Worte stehen in der Bibel, mit dem großen Unterschied, dass sie sich nicht ein Mensch selbst sagen muss, sondern Gott es verspricht.

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir;
weiche nicht, denn ich bin dein Gott.
Ich stärke dich, ich helfe dir auch,
ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.
(Jesaja 41, 10)

Er sagt diese Worte Menschen, die Abgründe erlebt haben, gefallen sind und denen der Absturz droht. Ihr Weg geht ins Ungewisse. Es sind wunderbare Worte, und ich möchte sie mir gerne immer wieder sagen lassen, dann, wenn ich ganz unbeschwert durchs Leben gehe und vor allen auch dann, wenn ich mich fürchte vor dem, was kommt, abzustürzen drohe und Halt suche.

Mit dieser Verheißung wird sicher nicht alle Angst einfach weggeblasen. Aber ich hoffe, dass ich mit dieser Verheißung trotz Angst und wackeligen Knien weitergehen kann und dass mich das Vertrauen auf Gott trägt und nicht ins Bodenlose stürzen lässt.

Wie ging es aus im Klettergarten? Ich bin nicht abgestürzt. Zwei Schwierig-keitsgrade habe ich geschafft, viele Konfis vier oder gar fünf. Ich war trotzdem recht stolz. Und irgendwie denke ich mir, ein wenig trainieren könnte helfen, sicherer zu werden. Ich möchte bei Gelegenheit wieder in einen Klettergarten gehen.
Und vielleicht ist es mit dem Glauben auch so? Man muss ihn pflegen, trainieren, um das Vertrauen zu stärken.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre Pfarrerin Andrea Möller