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Posaunenchorleiter Günther Buchner im Interview

Kirchenbote (K): Herr Buchner, Sie leiten den Chor seit 16 Jahren und seit mehr als 25 Jahren bilden Sie den Nachwuchs aus. Uns interessiert: Wie sind Sie zum Posaunenchor gekommen und welches Instrument Sie spielen?

Günther Buchner: Begonnen hat es, als mein Vater eines Abends eine verbeulte Trompete mit nach Hause brachte und versuchte, mir die ersten Töne und Lieder beizubringen. Damals war ich neun Jahre alt. Meine ersten Versuche klangen noch ziemlich blechern und die Zustimmung hielt sich in Grenzen. Aber mit viel Üben und der Unterstützung des damaligen Chorleiters Herbert Hofmann und des Pfarrers Klaus Wende wurde es besser, was ein großer Ansporn für mich war. Ich konnte schon bald als einziger Jungbläser im Chor mit den Erwachsenen mitspielen. Für einen Elfjährigen war das nicht ganz einfach. Mit zwölf Jahren bekam ich dann ein eigenes Instrument geschenkt, eine Konzerttrompete, was mich noch mehr anspornte zu üben.

K: Was bedeutet für Sie persönlich das Musizieren?

Günther Buchner: Mein Interesse war geweckt. Wenn Kinder in meinem Alter zum Fußball spielen gingen oder sich sonst wie die Zeit nach der Schule vertrieben, war für mich Trompete spielen Ausgleich und Entspannung zugleich. Ich hatte auch noch kein Lehrbuch, so spielte ich mit Begeisterung die mir bekannten Volkslieder. In der Familie wurde auch gemeinsam geblasen. Meist fing einer an, Bruder, Vater oder ich und man gesellte sich dazu. Später lernte ich durch die Teilnahme an Posaunenchorlehrgängen und -freizeiten gemeinsam mit anderen das Blasen und die Chorarbeit intensiver kennen und meine Leidenschaft für die Posaunenchorarbeit war endgültig begründet.

K: Wie positionieren Sie den Posaunenchor innerhalb der Kirchengemeinde?

Günther Buchner: Getreu dem Leitgedanken aus Psalm 150 „Lobet den Herrn mit Posaunen …“ sehe ich in der Arbeit mit dem Chor einen wichtigen Bestandteil innerhalb der Kirchengemeinde, das Wort Gottes mit „Posaunen“ zu verkünden und Zeugnis dafür zu geben. Deshalb steht auch die Mitwirkung bei den Gottesdiensten im Mittelpunkt. Wir erarbeiten uns im Chor aber auch weltliche Musikstücke aus verschiedenen Stilrichtungen, die das Musikleben der Kirchengemeinde bereichern, die neue Akzente in der Chormusik setzen und auch unsere jungen Bläser und Bläserinnen motivieren mitzumachen.

K: Wovon lassen Sie sich bei der Auswahl der Musikstücke leiten?

Günther Buchner: Die erste Überlegung ist der Anlass, evtl. der Jahreszyklus, inhaltlich passend zum Gottesdienst und die aktuelle Besetzung im Chor. Manchmal sind es aber auch Zufälle, dass ich über neue Notenliteratur auf Musikstücke stoße, die mich interessieren oder es sind Anregungen und Ideen aus dem Chor.
In der aktuellen Besetzung spielen zwölf bis 15 Bläserinnen und Bläser regelmäßig, davon sieben Trompeten, vier Posaunen, drei Hörner und eine Tuba. Geblasen wird ausschließlich auf Blechblasinstrumenten. Bei modernen Stücken kommt auch Schlagzeug zum Einsatz.

K: Was liegt Ihnen persönlich für die Zukunft des Posaunenchores am Herzen?

Günther Buchner: Also an erster Stelle wäre hier zu nennen, dass der Chor auch für die Zukunft Bestand hat, d. h. bei einer mittelfristigen Planung, einen Stamm an Bläserinnen und Bläsern zu haben, die einen spielfähigen Chor garantieren. Deshalb ist es für mich ein ganz besonderes Anliegen und zugleich wichtige Aufgabe, immer wieder Mädchen und Jungen für Blechblasinstrumente zu begeistern und auszubilden. In der Regel können sie dann bereits nach zwei Jahren, wenn nicht schon früher, im großen Chor einfache Stücke mitspielen. Das Erfolgserlebnis, ein Instrument zu spielen und gemeinsam mit anderen das Können zur Aufführung zu bringen, lässt meist nicht lange auf sich warten, was die „Jungen“ besonders motiviert. Am Kirchenmusikfest stellten sich sechs junge Bläserinnen und Bläser mit drei Musikstücken vor. Fünf davon starteten erst im Herbst letzten Jahres mit dem Unterricht und das Ergebnis aus dieser Arbeit hörte sich schon ganz gut an und bestärkt mich in meiner Arbeit mit den jungen Menschen.

K: Welche Herausforderungen müssen in der Zukunft bewältigt werden?

Günther Buchner: Momentan spielen im Posaunenchor drei Generationen vom Achtjährigen bis zum 77-Jährigen. Diese generationenübergreifende Besetzung ist etwas ganz besonderes, was sich in einem Zusammenspiel des gegenseitigen Miteinanders und respektvollen Umgangs widerspiegelt und weit über das gemeinsame Musizieren hinausgeht. Im Chor sind wir offen für Experimente. Mal was Neues ausprobieren, Musikstücke verschiedener Stilrichtungen einstudieren und sehen und hören, wie es bei den Zuhörern ankommt. Das ist für uns alle Anreiz für die gemeinsame Arbeit. Der Chor soll nicht im gleichen verharren, sondern sich weiter entwickeln.

K: Wo sehen Sie mögliche Ansatzpunkte für eine Unterstützung des Chores?

Günther Buchner: Wir brauchen neue Bläserinnen und Bläser, die den Chor verstärken, die vielleicht jetzt auf den Posaunenchor aufmerksam geworden sind. Anfänger ab ca. neun Jahren oder auch Erwachsene, die vielleicht schon mal geblasen haben oder ein anderes Instrument spielen, sind als Quereinsteiger jederzeit herzlich willkommen. Bei unseren jungen Bläserinnen und Bläsern gibt es immer wieder Wechsel, wenn die Schule oder die Ausbildung endet und sich der Wohnort ändert. Deshalb wäre es für den Chor ganz wichtig, einen kontinuierlichen Stamm an Spielern zu haben.

Lieber Günther Buchner, sehr herzlichen Dank für dieses offene Gespräch. Wir wünschen Ihnen für die Arbeit mit dem Chor und für Sie persönlich weiterhin die Kraft und die Inspiration, neben Familie und Beruf, den Posaunenchor engagiert zu leiten.

Lydia Schmidt-Wagon für das Redaktionsteam